Der Trompeter Simon Höfele: Anspruch an sich selbst

Durch die geschlossene Tür eines Übezimmers in der Hochschule für Musik in Karlsruhe dringt Verwegenes. Wahnwitze Tonsprünge, laute Zwischenrufe des Interpreten, ganze Kaskaden von kleinsten Notenwerten, es faucht und brodelt, dann wieder steigt eine Linie hoch in schneebedeckt eisige Höhen. Der Trompeter Simon Höfele rackert sich hochkonzentriert durch ein druckfrisches, neues Werk. Nach dem dritten Klopfzeichen öffnet er beschwingt die Tür. Kein Schweißtropfen auf der Stirn, modisches Hemd, fesche Frisur und markante Brille, das ist der erste Eindruck.

Sohn einer Orchestermusikerfamilie

»Oh, ich habe Sie gar nicht gehört, ich lasse mal ein bisschen frische Luft rein, dann legen wir sofort los«, meint der sympathische Typ und reißt gleich ein Fenster auf. Dann schiebt er zwei Stühle und einen kleinen Tisch davor und erzählt von sich.

»Ich bin im Jahr 1994 in Darmstadt zur Welt gekommen, denn meine Eltern sind dort beide als Orchestermusiker im Staatstheater tätig.« Irgendwann brachte Papa Höfele von einem Flohmarkt eine alte Fanfare mit, um damit eine Wand zu dekorieren.

Doch dort sollte sie nicht lange als Zierde hängen. »Das Teil war echt grenzwertig, aber ich habe es mir sofort geschnappt und habe munter losgetrötet. Meine Eltern staunten nicht schlecht, denn ich war ja noch ein richtiger Dreikäsehoch.«

Eine außergewöhnliche Begabung

Das offensichtlich hörbare Talent von Simon sollte dann gleich von einem Musiker des Vertrauens ausgebildet werden. Michael Schmeißer, Trompeter im Staatsorchester Darmstadt, übernahm diese Aufgabe. »Ich erinnere mich noch gut an den ersten Unterricht«, erzählt Simon Höfele. »Er fragte mich, ob ich das Lied ›Bruder Jakob‹ kenne. Klaro, meinte ich. Dann zeigte er mir die Griffe und ich spielte ihm einfach nach.«

Gedanken über seine außergewöhnliche Begabung hat sich der Zwergtrompeter am Anfang überhaupt keine gemacht. Was andere bis zum Umfallen repetieren müssen, flog ihm verblüffend einfach zu. Die Trompete war nie ein Widerstand, den es zu überwinden galt, sondern immer ein ganz natürliches Instrument, um sich ausdrücken zu können.

Ausbildung bei Reinhold Friedrich

Nach einigen Lehrjahren bei Michael Schmeißer wurde dann ein Kontakt zu Reinhold Friedrich an der Hochschule für Musik in Karlsruhe geknüpft. »Es war natürlich von großem Vorteil, dass Michael Schmeißer auch ein Friedrich-Schüler ist. So passten die Grundbausteine und das, was nun folgen sollte, absolut perfekt zueinander.«

Ab September 2006 wurde Simon Höfele von Friedrich privat unterrichtet. Zwei Jahre später wurde er als 14-jähriger Vorstudent in die berühmte Trompetenklasse an der Hochschule für Musik in Karlsruhe aufgenommen. Reinhold Friedrich ist als Lehrer bereits eine lebende Legende. Eine ganze Generation hervorragender Musiker hat er ausgebildet.

Die aktuelle CD von Simon Höfele

Neben dem bekannten Trompetenrepertoire widmet sich Simon Höfele immer wieder auch zeitgenössischer Musik. Auf seiner neuen CD »Concertino« (dTb production) finden sich deshalb ausschließlich Stücke, die innerhalb der vergangenen 100 Jahre entstanden sind.

Die älteste Komposition darauf ist Paul Hindemiths »Drei Stücke für fünf Instrumente« aus dem Jahre 1925, während die aktuellsten Werke von Matthias Pintscher und Kathrin Denner erst innerhalb der vergangenen zehn Jahre geschrieben wurden.

www.simon-hoefele.de

  • 05.10.2017
  • Szene
  • Georg Wassmuth
  • Ausgabe: 10/2017
  • Seite 42-44

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