Der Saxofonist Christoph Irniger: Abenteuer und Überraschungen

Christoph Irniger (Foto: Gian Marco Castelberg)

»Pilgrim«, das ist der englische Begriff für Pilger oder Wallfahrer. Und Pilgrim, das ist die Band des Schweizers Christoph Irniger. Und der Saxofonist, der das Abenteuer und die Überraschung liebt, geht diesmal mit »Seitenwind« auf Wallfahrt: mit seinem aktuellen Studioalbum »Crosswinds«.

Intensivität und Risikoreichtum

»Bei Starts und Landungen von Flugzeugen «, so weiß es das Lexikon, »ist ein Seitenwind (engl.: crosswinds) ab einer bestimmten Intensität und Richtung extrem riskant«. Nun, gefährlich ist die Musik von Christoph Irniger und seinen vier Mitstreitern nicht, aber Intensivität und Risikoreichtum kann man ihr attestieren.

Oder wie es der Journalist Peter Margasak in den »Liner Notes« schreibt: »Die neue, glänzend durchdachte, aber dennoch großzügig offene Aufnahme von Tenorsaxofonist Christoph Irnigers Band Pilgrim ist an der Oberfläche spürbar entspannt, doch unter diesem Furnier der Ruhe liegen ein intensiv fokussiertes und rigoroses Zusammenspiel sowie Risikobereitschaft.«

Das Konzept der aktuellen Aufnahme ist zweigleisig. Einige Kompositionen sind frei improvisiert, während andere vollständig notiert sind. Christoph Irniger bestätigt das im Gespräch: »Es geht mehr darum, wie man spielt als was man spielt!«

Wechselspiel

Der Zugang und die Haltung haben gerade bei Pilgrim eine enorm große Bedeutung. »Wir spielen nicht einfach die Kompositionen nach, sondern wollen diese immer wieder neu erfinden.« Das sei ein Wechselspiel. Mal sei man in der Abfolge völlig frei, um dann aber auch wieder »in Form und Time« zurückzukehren.

»Wir erzählen Geschichten und wir erzählen sie jedesmal neu. Vorgefestigte Gedanken werden emotional aufgeladen.« Er macht eine Kunstpause, denn er scheint nicht zu finden, dass das jetzt seine eigene Erfindung wäre. »Das macht doch den Jazz aus, weil er immer die Musik seiner Zeit verarbeitet.«

Der emotionale Zustand des jeweiligen Musikers, findet der Saxofonist, spiele zwar eine Rolle, aber nicht in dem Maße, dass er einen Rieseneinfluss hätte. »Die Musik, die man spielt, hängt zuvorderst von den Personen ab, mit denen man spielt.« Und dabei gebe es eben Musiker, die aktiver seien – zu denen er sich selbst zählt – oder auch jene, die sich schlicht mehr Zeit ließen.

  • 02.07.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 7-8/2019
  • Seite 44-45

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