»Der Ring« für Bläser – geht das? - »Fantasie für sinfonisches Blasorchester« von Guido Rennert

Im Herbst 2007 entstand im Musikkorps der Bundeswehr die Idee, im Wagnerjahr 2008 eine Instrumentalversion vom »Ring des Nibelungen« zu realisieren. Es sollte natürlich ein »Ring ohne Worte« werden, eine rein instrumentale Orchesterfantasie. 16 Stunden Musikdrama standen zur Disposition und wollten stimmig komprimiert werden. »Als ich die erste Partitur aufschlug, hätte ich sie am liebsten gleich wieder zugeschlagen. Selbstverständlich war ich mir der Verantwortung bewusst, die ein solches Unterfangen mit sich bringt. Ehrfurcht, Demut, gar ein wenig Angst schwangen in mir. Ist es möglich, die Kraft, die in dieser Musik steckt, mit einem großen Blasorchester nachvollziehbar und stimmungsvoll abzubilden?« Arrangeur Guido Rennert erzählt von den Anfängen und es ist immer noch ein Funkeln und Leuchten in seinen Augen. Die magischen Kräfte des Rheingolds hatten ihn erfasst und nicht mehr losgelassen – und es war gut, dass er weitergeblättert hat.

Der Ring des Nibelungen – Inhaltsangabe in fünf Minuten


Das Rheingold
Die Rheintöchter haben ein zauberhaftes Spielzeug: Das Rheingold mit magischen Kräften. Alberich, der Nibelung, raubt es ihnen und nutzt die Zauberkräfte, um sich maßlose Macht zu verschaffen. Hierzu muss er aber der Liebe abschwören. Zeitgleich erbauen die Riesen Fasolt und Fafner die Burg Walhall für die Götter, deren Chef Wotan ist. Als Preis ist die Göttin Freia, welche das Geheimnis der ewigen Jugend hütet, zur Ehe versprochen. Das Versprechen nicht einhaltend, gelingt es die Riesen dazu zu bewegen, den Nibelungenschatz als Kaufpreis zu akzeptieren. Das Rheingold, der daraus geschmiedete Ring, Schlüssel zu Macht und Reichtum, wird durch List Alberich abgenommen. Dieser belegt den Ring umgehend mit einem Unfrieden stiftenden Fluch. Die Götter bezahlen und der Fluch tut seine Wirkung. Riese Fafner erschlägt seinen Bruder Fasolt. Die Götter nehmen die Burg Walhall in Besitz und Wotan beginnt seine auf freiem Miteinander gegründete Herrschaft. Die Gefahr von Ring und Fluch ist jedoch nicht gebannt.   

Die Walküre
Wotan hat neun Walküren gezeugt, die Helden von den Schlachtfeldern einsammeln und nach Walhall bringen. Außerdem ein Zwillingspaar: Siegmund und Sieglinde. Dies wird durch das Schicksal getrennt und wieder zusammengeführt. Ihr Wiedersehen führt zu hingebungsvoller Liebe, die nicht folgenlos bleibt. Siegmund muss sich nun mit Sieglindes Ehemann auseinandersetzen. Gott Wotan gibt dem  Ehemann Recht und Walküre Brünnhilde soll Siegmunds Herz erobern. Siegmund aber legt keinen Wert auf Brünnhilde und Walhall. Er möchte lieber bei seiner Sieglinde bleiben. So etwas ist Brünhilde noch nie passiert. Sie entschließt sich, ihm zu helfen, ist aber gegen Wotan auch  machtlos. Am Ende ist Siegmund tot, Sieglinde im Wald in Sicherheit gebracht und Brünnhilde Wotans Wut ausgesetzt. Wotan verbannt sie auf einen Berg, von Feuer umbrannt und nur "der stärkste Held" (Siegmunds und Sieglindes Sohn) wird sie dort finden.
br />Siegfried
Sieglindes Sohn, Siegfried, ist im Wald von Mime, Alberichs Bruder, großgezogen worden. Mime hofft, der Knabe würde ihm den Ring aus dem Rheingold, den Drache Faffner bewacht, erbeuten. Siegfried zieht los, um mit dem Drachen zu kämpfen. Er tötet ihn. Ein Vogel trägt im auf Ring und Tarnkappe zu nehmen und weißt ihm den Weg zu "der herrlichsten Frau", Brünnhilde, auf ihrem Feuerfelsen. Siegfried eilt und verliebt sich unendlich.

Die Götterdämmerung
Die Nornen am Fuße der Weltesche spinnend das Schicksalsseil. Sie berichten aus der Vergangenheit und als sie sich der Gegenwart nähen, reißt das Seil. Sie fliehen zu Erda, das Schicksal der Welt ist offen.
Brünnhilde und Siegfried sind in Paar. Siegfried, mit dem Pferd Grane, bereits unterwegs zu neuen Taten. Am Hofe Gibichungen berät Hagen das königliche Geschwisterpaar Gunther und Gutrune, dass sich ihr Ruhm mehren könnten, wenn sie angemessene Ehen schlössen. Gunther soll Brünnhilde freien, Gutrune sich mit Siegfried vermählen. Als Siegfried an den Gibichungenhof kommt, sorgt Hagen mit einem Zaubertranks dafür, dass Siegfried die Erinnerung an sein bisheriges Leben verliert. Durch dieses Vergessen ist Siegfried frei, sich in Gutrune zu verlieben. Um diese zu gewinnen, schließt er mit Gunther Blutsbrüderschaft und verspricht diesem, ihm bei seiner Werbung um Brünnhilde zu helfen. Unterdes besucht Waltraute, eine der Walküren, ihre Schwester Brünnhilde auf dem Walkürenfelsen und versucht sie zur Herausgabe des Ringes zu bewegen, den sie von Siegfried erhalten hatte. Brünnhilde weist das Ansinnen von sich. Durch den Tarnhelm nimmt Siegfried Gunthers Gestalt an, durchschreitet das Feuer, das um den Walkürenfelsen lodert und erobert Brünnhilde für Gunther. In den nun aufkommenden Wirren (Widersprüche der handelnden Personen) schmieden Brünnhilde und Hagen den Plan, Siegfried auf der Jagd zu töten. Nach Siegfrieds Tod entbrennt erneut Streit um den Ring. Hagen, der ihn als gerechte Beute betrachtet, ermordet Gunther, der ihn als Erbe beanspruchen wollte. Brünnhilde, die zwischenzeitlich durch die Rheintöchter über die Zusammenhänge (Vergessenszauber),  aufgeklärt wurde, nimmt den Ring an sich und schenkt ihn den Rheintöchtern zurück, die ihn wieder zum Rheingolde auflösen. Hagen stirbt bei dem Versuch, den Ring aus den Fluten des Rheines zu retten. Brünnhilde opfert sich selbst und das Pferd Grane im Feuer eines riesigen Scheiterhaufens. Die Parabel von Macht und Liebe hat ihre Lösung gefunden.

  • 21.09.2011
  • Bläsermusik heute
  • Renold Quade
  • Ausgabe: 5/2008
  • Seite 16

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