Der Rhythmus: Klingende Zeitteilung in der Musik

Eines der ältesten Phänomene der Musik ist die Rhythmik, die Lehre vom Rhythmus. Neben der Harmonie ist der Rhythmus der wichtigste formgebende Faktor in der Musik. Vom Menschen wahrgenommene klingende Kürzen und Längen ergeben sich bereits aus Naturgeräuschen, die generell Grundlage und Ausgang unserer klingenden Hochkultur sind. Die Übertragung ostinater Klangimpulse auf die Lebens- und Arbeitswelt hat schon in menschlichen Urgemeinschaften stattgefunden, um kollektive Kraftleistungen koordinieren zu können.

»…schon die alten Griechen!«

Zu den ältesten noch ausführlich erhaltenen musiktheoretischen Schriften und Erkenntnissen zählen die des Mathematikers, Philosophen und Musiktheoretikers Aristoxenos von Tarent (ca. 360 bis 300 v. Chr.). Als Sohn des Sokratesschülers Spintharos waren seine Lehrer der Pythagoreer Xenophiles von Chalkidike und der große Universalgelehrte Aristoteles.

Aristoxenes Schriften basieren auf streng musikalischen Erkenntnissen. Seine Überlegungen fußten auf empirischen Beobachtungen, die er durch Berechnungen zu beweisen versuchte. Er definierte die Begriffe Ton, Intervall, Tonsystem, Halbton, Drittelton oder Viertelton, bearbeitete die Phänomene der Obertonreihe und prägte im Hinblick auf Tongeschlechter Begriffe wie Diatonik, Chromatik und Enharmonik. Als Erster führte er die Bezeichnungen Tondauer und Rhythmus in die Musik ein und begründete eine Theorie des »Rhythmus«.

Alle diese genannten Begriffe gehören bis heute zur allgemeinen musikalischen Terminologie und prägen das Musikverständnis von der Antike über das Mittelalter bis in unsere Zeit. Heutige Modifikationen sind von ihrer ursprünglichen Wortbedeutung nicht zu trennen.

Darstellung von Rhythmus

Um Musik reproduzierbar zu machen, erfand man in unserer europäischen Musik die Notenschrift, mit der Notenwerte und Pausen darstellbar wurden. Tonhöhe und Tondauer erhielten verbindliche Werte, und die Flüchtigkeit gespielter oder gesungener Musik konnte dadurch überwunden werden. Grundlage dieser musikalischen Möglichkeiten ist die Metrik, die Lehre von den nach ihren Schwerpunkten periodisch gegliederten Tonfolgen (siehe auch Zelton, »Wörterbuch der Musik«).

Jeder Ton und jede Pause nimmt dabei Bezug auf den sich mehr oder weniger gleichmäßig wiederholenden Takt und dessen Betonungsstrukturen. Ein Rhythmus gegen den Takt, die Synkopen, sind sogenannte Schwerpunktverlagerungen, also Verschiebungen, die bei gleichbleibendem Grundmetrum variable Strukturen in einen Takt bringen. Das Metrum ist die von betonten und unbetonten Zählzeiten aus­gehende Taktordnung.

Als Tempo in der Musik bezeichnet man den Schnelligkeitsgrad eines Musikstücks bezogen auf seinen Grundschlag. Die von Aristoxenes aufgestellten Regeln erfahren also in der Veränderung eines Tempos ihre angepassten Modifikationen.

Das Zusammenwirken von Grundschlag und Akzentverschiebungen innerhalb von Takten und Taktgruppen gibt weitgehend Auskunft über den Charakter eines Musikstücks, der wie das echte Leben nahezu über eine unermessliche Vielfalt verfügt. Insbesondere in Tanzmusiken oder volkstümlichen Werken können Hörer und Ausführende mühelos am Rhythmus die Gattung erkennen. Ich möchte dabei nur den Walzer, den Marsch oder den Swing nennen.

  • 01.03.2018
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 20-23

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