der pygmalion-effekt - können dirigenten berge versetzen? (1)

Haben Sie in Ihrer Schulzeit auch Ovids »Metamorphosen« lesen müssen? Zur Auffrischung: Pygmalion, ein Bildhauer, modelliert eine weibliche Figur. Sie ist schließlich so schön, dass er sich unsterblich in sie verliebt. Er nennt sie Galatea und fleht in seiner Verzweiflung Aphrodite, die Göttin der Liebe, an, die von ihm geschaffene Statue zum Leben zu erwecken, was ihm schließlich erfüllt wird.

Der tiefere Sinn dieser Fabel, der eine altgriechische Sage zugrunde liegt, ist wohl der folgende: Pygmalion hatte eine bestimmte Vorstellung von der »idealen Frau« – und genau nach dieser Vorstellung hat er sich ein Bild geschaffen, vorerst aus Marmor, das jedoch mit gütiger Hilfe, nicht zuletzt auch durch die Kraft seiner Zuversicht, lebendig wird. »Was wäre wohl aus Berlin geworden ohne unbeugsamen Willen und ohne den Glauben, der Berge zu versetzen vermag!«, hat Willy Brandt im Nachruf an Ernst Reuter anno 1953 festgehalten.

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Fritz Neukomm
  • Ausgabe: 6/2006
  • Seite 46-47

« zurück