Der Power-Trompeter: Zum 10. Todestag von Freddie Hubbard

Freddie Hubbard, 1976 (Foto: Tom Marcello)

Er galt als der führende Jazztrompeter seiner Generation und war an mehr als 300 Alben beteiligt. Der Trompetensound von Freddie Hubbard (1938 bis 2008) prägte vor allem den Soul-Jazz und Free-Jazz der 1960er Jahre.

Das Tor zu einer großen Karriere

Freddie Hubbard war noch keine 22, als er nach New York kam, auf der Suche nach dem großen Jazz-Abenteuer. Schnell sprach es sich herum, dass da ein junger Trompeter neu in der Stadt war, der auf seinem Instrument scheinbar alles konnte – und der vor allem unbedingt spielen wollte, egal in welchem Stil: Bebop, Hardbop, Latin, Bigband, Soul-Jazz, Free-Jazz. 

Tenorsaxofonisten wie Walter Benton, Tina Brooks, Benny Golson, Dexter Gordon, Yusef Lateef und Hank Mobley fanden in ihm einen kompetenten Bläserpartner. Aber auch Avantgardisten wie Ornette Coleman, John Coltrane und Eric Dolphy holten ihn zu ihren Auftritten und Aufnahmen. 

Innerhalb von zweieinhalb Jahren wirkte Freddie Hubbard bei mehr als 50 (!) Plattensessions mit. »Ich weiß gar nicht mehr, wie ich alle diese Leute kennengelernt habe«, sagte er einmal. »Viele begannen, nach mir zu fragen. Sie suchten mich, weil ich für alles aufgeschlossen war.« 

Der Trompeter Miles Davis hörte den jungen Kollegen in einem Konzert mit John Coltrane und vermittelte ihm den ersten Plattenvertrag. Schon 1960 erschien Freddie Hubbards Debütalbum als Bandleader: »Open Sesame«. Für ihn öffnete sich das Tor zu einer großen Karriere. 

Here comes the Hub

In seiner Heimatstadt Indianapolis, tausend Kilometer westlich von New York, hatte Freddie Hubbard das Konservatorium besucht und klassische Trompete studiert. Von dieser technischen Grundausbildung profitierte er sein Leben lang. 

Niemand im Jazz der 1960er Jahre spielte die Trompete so laut, so schnell, so kraft- und klangvoll wie Freddie Hubbard – und das auch im tiefen Tonbereich des Instruments. Schon als Teenager hatte er Erfahrungen mit professionellen Jazzbands gesammelt, mit 19 machte er seine ersten Plattenaufnahmen als Sideman. 

Wes Montgomery, der spätere Weltstar, damals noch Lokalmatador von Indianapolis, förderte den jungen Freddie Hubbard, konnte als Gitarrist ihm jedoch in seiner Entwicklung wenig weiterhelfen. Das taten dann die führenden Trompeter der New Yorker Jazzszene. »Ich habe klassische Trompete gelernt«, sagte Freddie Hubbard, »doch die wichtigen Sachen wurden mir von Leuten wie Kenny Dorham, Donald Byrd, Lee Morgan und Thad Jones beigebracht, indem ich ihnen zuhörte und mit ihnen spielte. Das half mir, meine eigenen Ideen zu entwickeln.« 

Die »Jazz Messengers«

1961 wurde Freddie Hubbard der Trompeter der »Jazz Messengers«, einer der populärsten Bands des Hardbop. Fünf Jahre lang übernahm er die Führungsstimme in der später legendär gewordenen Sextettbesetzung mit Wayne Shorter (Saxofon) und Curtis Fuller (Posaune). 

Hubbard machte mit den »Jazz Messengers« in dieser Zeit eine ganze Reihe von heute berühmten Schallplatten, etwa »Mosaic«, »Caravan«, »Ugetsu«, »Kyoto« und »Free for All«. In derselben Zeit (1961 bis 1965) nahm er als Bandleader durchschnittlich zwei Alben pro Jahr auf, teilweise auch zusammen mit seinen Kollegen von den »Jazz Mes­sengers«, teilweise sogar in einer ähnlichen Sextettbesetzung. 

Viele seiner bekann­testen Kompositionen hat er in diesen Jahren erstmals eingespielt. Darunter sind »Aries«, »Birdlike«, »Crisis«, »Down Under« und »Thermo«. Gerne brachte er in den Titeln seiner Stücke seinen Spitz­namen unter: »Hub Cap«, »Hub’s Nub«, »Hub-Tones« oder »The Hub«. 

  • 09.01.2019
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 12/2018
  • Seite 42-43

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