Der Multi-Instrumentalist - Vor 50 Jahren starb Eric Dolphy in Berlin

Alle Zeichen standen damals auf Zukunft: eine neue Band, ein neues Label, ein neues Album. Dazu eine erfolgreiche Europatournee mit Charles Mingus, die Übersiedlung nach Paris, ein neues Heim am Montmartre, HochzeitsVorbereitun­gen in der Stadt der Liebe, ein 14-tägiges Club-Engagement und Konzertanfragen auch aus Deutschland, Holland, Dänemark, sogar Australien. Aber ganz plötzlich war dann alles zu Ende.

Ende Juni 1964. Bereits geschwächt ist er aus seiner neuen Heimat Paris angereist, gesundheitlich angeschlagen, von Hallu­zinationen geplagt. Beim Auftritt im West-Berliner Studentenclub Tangente in der Bundesallee bricht er mitten im Spiel auf der Bühne zusammen. Die Mitmusiker und der Veranstalter bringen ihn ins nächst­gelegene Krankenhaus, eine Privatklinik in der damaligen Achenbachstraße 16, ehemals das Städtische Krankenhaus Wilmersdorf.

Eine Nervenstörung wird vermutet, vielleicht auch Entzugserscheinungen, etwas Ruhe soll helfen. »Niemand von uns ahnte etwas vom Ernst der Situation«, wird Klaus Hagl, der Drummer, später sagen. Als die anderen Musiker Eric Dolphy am nächsten Tag in der Klinik besuchen wollen, ist er tot – gestorben im diabetischen Koma. »Sein Blutzucker genügte, um drei Menschen umzubringen«, sagt der Arzt. »Ein heller Stern erlosch«, berichtet die Berliner Morgenpost.

  • 17.06.2014
  • Szene
  • Ausgabe: 7-8/2014
  • Seite 46-47

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