Der Komponist Enjott Schneider im Gespräch

Enjott Schneider (Foto: Manfred Schneider)

Enjott Schneider hat in seiner bisherigen Laufbahn schon wirklich viel gemacht. In seiner Jugend etwa erlernte er zahlreiche Instrumente – unter anderem Violine, Klavier, Akkordeon, Trompete und Orgel. Das Saxofon war nicht dabei. Und trotzdem scheint es zu seinen bevorzugten Instrumenten zu gehören. Wir sprachen mit dem Komponisten und Hochschulprofessor über das Saxofon

Herr Schneider, wenn Sie den Belgier Adolphe Sax treffen könnten – was würden Sie ihn fragen? Worüber würden Sie sich unterhalten wollen?

Fragen würde ich diesen genialen Sucher und Finder nicht. Es wäre mir aber ein Bedürfnis, ihm den sensationellen Siegeszug des nach ihm benannten Instruments zu vermitteln. Sein Saxofon ist nicht nur die bedeutendste instrumentenbauliche Innovation der letzten hundert Jahre, es ist auch eine Kulturen und Erdteile verbindende Idee von beispielloser Universalität geworden: das Saxofon eint die U- und E-Musik, verbindet den Konzertsaal mit dem Tanzpalast, es wird von Interpreten aller Nationen, aller Hautfarben und aller sozialen Schichten geliebt und gespielt… ein hoffnungsstiftendes kleines Weltwunder!

Das Saxofon ist der Öffentlichkeit immer noch hauptsächlich als Jazz-Instrument bekannt. Warum zu Unrecht?

Bemerkenswert am Saxofon ist ja, dass es sowohl undomestiziert, wild und sozusagen »vor-rational« – als sei es ein dem eigenen Körper zugehörender Reflex – gespielt werden kann, aber es kann auch sehr distinguiert, gezügelt und in hohem Maße reflektiert gespielt werden. Natürlich genießt das »wilde Saxofon« die breite Popularität, nicht zuletzt, weil wir alle in einer von Zweckrationalität geplagten Leistungsgesellschaft leben müssen und daher das »Wilde« immer bevorzugt genießen.

Deshalb wird das Saxofon vorschnell der vitalspontanen Jazzidiomatik zugerechnet, und wir vergessen, dass auch alle anderen populären Formen wie Tanzmusik, Hitsong, Hip-Hop, Rap, Dance bis hin zur Blasmusik dieses Instrument gerne in den Vordergrund stellen. Dass auch in der artifiziellen Musik – egal ob Kammermusik, Orchestermusik und auch im Kirchenraum – das Saxofon zunehmend (wieder-)entdeckt wird, ist in der Tat noch viel zu wenig bekannt.

Es gibt einzigartige Kammermusik mit sensibler Musizierpraxis, Werke für A-cappella-Chor und natürlich Sinfonik mit dem Saxofon als Soloinstrument… Das sind alles Kleinode für mich.

  • 25.06.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 6/2019
  • Seite 38-39

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