Der Klarinettist Matthias Schorn: Musikant aus Leidenschaft

Matthias Schorn. Foto: Lukas Beck

Wir treffen Matthias Schorn. Klarinettist, Wiener Philharmoniker, Woodmaster und nach eigener Aussage »Musikant aus Leidenschaft«. Er ist ein Hansdampf in allen Gassen und er ist sehr viel unterwegs. Wir treffen ihn kurz vor seinem Konzert in Zorneding bei München. Beim Interviewformat »Gegensätze« wird deutlich: eines ist er sicherlich nicht – auf den Mund gefallen. Wir geben zwei Begriffe vor, Matthias Schorn muss sich für einen entscheiden... Los geht’s.

Vinyl oder mp3?

Klanglich bin ich ganz klar für Vinyl und ich freue mich, dass es die Renaissance von Schallplatten und analogen Techniken gibt. Mich fasziniert an der Musik auch, dass sie eine völlig undigitale Form der Energieübertragung ist. Musik funktioniert ohne Bluetooth und Wlan. Ich gebe aber zu, ich bin ein »User«, um in der digitalen Sprache zu bleiben – weil es einfach unheimlich praktisch ist.

Individual- oder Mannschaftssport?

Das ist eine sehr gute und schwere Frage, weil beides so seine Vorzüge hat. Weil ich mich aber entscheiden muss, entscheide ich mich für die Individualität. Ich glaube, dass auch viele Individuen ein Team ergeben können – aber nur, wenn jeder Einzelne für sich ein Ganzes ist.

Es gilt – auch und vor allem in Zeiten wie diesen –, Verantwortung für sich selbst zu übernehmen um überhaupt möglich zu machen, dass etwas Großes, Ganzes entsteht. Es ist in der Gesellschaft genau dasselbe wie beim Musizieren: Wenn ich mich drum kümmere, für mich selbst »ganz« zu sein, dann kann ich auch einer Mannschaft dienen.

Musikalität oder Persönlichkeit?

Musikalität kann nur durch Persönlichkeit ausgedrückt werden. Wenn die Persönlichkeit fehlt, kann man auch nicht von Musikalität sprechen. Dann sind das vielleicht perfekt wiedergegebene schwarze Punkte auf weißem Papier.

Aber ohne Persönlichkeit entsteht daraus keine Energie, kein lebendiges Stück, das den Zuhörer auf irgendeine Weise zum Lachen, zum Weinen, zum Tanzen bringt, verärgert, verstört oder freudig erregt.

Worauf kommt es beim Zusammenspiel mit anderen Musikern zunächst an? Auch auf die Persönlichkeit?

Musikalität und Persönlichkeit sind nicht voneinander zu trennen, aber spannender ist es für mich immer, wenn ich mit besonderen Persönlichkeiten arbeite. Das heißt nicht, dass die einfach sein müssen, es können auch schwierige Persönlichkeiten sein, verrückte Leute. Die erscheinen mir spannender als »vorhersehbare« Persönlichkeiten. Vielleicht bin ich ja selbst manchmal ein bisschen verrückt...

  • 21.06.2019
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 4/2019
  • Seite 48-50

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