der hochseetrompeter - gerhard cerneks kreuzfahrt durch ein leben der gegensätze

  • 21.09.2011
  • Tobias Schumacher
  • Ausgabe: 1/2004
  • Seite 22-23

Was macht ein junger Niederösterreicher, der 1979 seinen ersten Trompetenunterricht erhielt, ab 1985 am Konservatorium in Wien Jazz studierte, mit Bigbands tourte, Rock-’n’Roll-Bands wie den »Jive Giants« oder »Schurli & Die Motorbienen« angehörte, mit seiner eigenen Bigband »Swing Company« 1995 beim Silvesterball im Wiener Rathaus die Musik machte und mit namhaften Vokalistinnen auf der Bühne stand? Ist doch klar: Er fährt zur See. Gerhard Cernek, Jahrgang 1968, ist heute Weltenbummler. Zwischen seinem bläserischen Debüt 1980 beim Arbeitermusikverein Neufeld und dem aktuellen Job als Trompeter auf einem Kreuzfahrtschiff liegen die sprichwörtlichen Welten. »In meiner Ausbildung und meiner Praxis sehe ich eine Oper in mehreren Akten – ein Gesamtkunstwerk«, sagt der »Magister Artium« der Instrumental- und Gesangspädagogik über seine etwas andere internationale Karriere.

Entscheidend Fahrt aufgenommen hat diese im Jahr 2001, als er für sieben Monate bei der Bordkapelle auf dem Kreuzfahrtschiff »Star« anheuerte. Das 500 Millionen Dollar teure Schiff der »Norwegian Cruise Line« (NCL) lief wöchentlich von Los Angeles in den Pazifik aus. Der so genannte Jones Act, demzufolge nicht in den USA registrierte Schiffe, die dort aber anlanden, einmal pro Woche Territorium außerhalb der US-amerikanischen Hoheitsgewässer anlaufen müssen, brachte ihn jeden Mittwoch vor die Küste von Fanning Island, ein Korallenriff, 13 Quadratmeilen groß, zwei Tagesreisen südlich von Hawaii, zur Republik Kiribati gehörend. Dort teilen sich 2000 Polynesier ein Diesel-Aggregat für Strom, Bananen, Kokosnüsse, Fische, Landkrabben. Hier entdeckte Cernek seine zweite Passion: Filme produzieren.

 

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