Das Zentrum der Jazzwelt: Der Traum von New York

Was für die Filmschauspieler die Studios von ­Hollywood sind, das sind für die Musiker die Bühnen von New York. Ob Broadway-Theater, Carnegie Hall oder die zahlreichen Jazzclubs: New York ist die Hauptstadt des Showbiz.

Jedes Kind weiß es. Um die Chance zu haben, eine internationale Filmkarriere zu machen, muss man nach Hollywood gehen. Deutschsprachige Schauspieler, die sich eine Laufbahn im englischsprachigen Kino zutrauen, zog es deshalb seit Jahrzehnten schon nach Kalifornien – versuchsweise oder auf Dauer, scheiternd oder mit Erfolg.

In den 1930er Jahren steuerte das NS-Regime häufig seinen Teil bei, indem es missliebige oder widerständige Künstler ins Ausland trieb – auf diese Weise starteten die Hollywood-Karrieren einer Hedy Lamarr oder Marlene Dietrich.

Nach dem Krieg gehörten Hildegard Knef, Elke Sommer, Maximilian Schell und andere zu den Teilzeit-Kaliforniern. Aus neuerer Zeit fallen einem ein: Nastassja Kinski, Franka Potente, Diane Kruger, Daniel Brühl, Armin Müller-Stahl, Jürgen Prochnow, Til Schweiger.

Die Bühnen von New York

Was für die Filmschauspieler die Studios von Hollywood sind, das sind für die Musiker die Bühnen von New York. Nirgendwo sonst können Instrumentalisten und Sänger mehr Erfahrung sammeln und mehr Ruhm gewinnen als im Showbusiness von New York. Wer sich als Europäer dort durchsetzt, kommt mit einem anderen Standing in die Heimat zurück.

Vom Nimbus der Stadt am Hudson erzählte schon der Song »New York, New York« (1977), den Liza Minnelli, Frank Sinatra und viele andere berühmt gemacht haben. Darin heißt es sinngemäß: Ich reise heute ab nach New York, ich will ein Teil davon sein. Ich will in einer Stadt aufwachen, die niemals schläft, und entdecken, dass ich der König und der Gipfel bin. Ich fange dort ganz neu an. Wenn ich es dort schaffe, dann schaffe ich es überall.

Ute Lemper: Als Europäerin in New York

Zu denen, die es am Broadway »geschafft« haben, gehört die in Münster geborene Musical- und Chansonsängerin Ute Lemper. Sie wohnt seit 1997 in New York, lebt mit ihrer Familie auf der Upper West Side. Regelmäßig tourt sie durch Deutschland, beflügelt vom internationalen Flair eines erfolgreichen Broadway-Stars.

Die Weltoffenheit von New York hat sich bei Ute Lemper in beide Richtungen bewährt: als Sprungbrett in die Weltkarriere, aber auch als Heimatort in der Fremde, denn New York ist traditionell ein Sammelbecken für Immigranten.

»Das ist ja das Tolle, dass man hier als Deutscher, als Europäer, das alles behalten kann, seine ganze Identität, seinen Akzent, seine Gewohnheiten, seine Beklopptheiten«, sagte Ute Lemper in einem Interview. »Hier ist jeder anders, darf anders sein, anders aussehen und sprechen wie er will – und dies wird nicht beurteilt, da es einfach die Normalität ist, anders zu sein.

Es macht einen sehr frei, nicht in einem Raum zu leben, der durch Traditionen, Benimm, Sprache und all das bestimmt ist. New York hat mich frei gemacht von allen kleinbürgerlichen, provinziellen und nationalistischen Zügen.«

Jazzmagnet New York

Seit den 1930er Jahren ist New York auch das Zentrum der Jazzwelt. Alle großen stilistischen Umbrüche im Jazz fanden seitdem dort statt, die wichtigsten Clubs, Labels und Aufnahmestudios des Jazz sind in oder um Manhattan zu Hause. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg ging mancher junge Musiker aus Europa nach New York, um von den Amerikanern zu lernen und sich im Herzen der Jazzwelt zu bewähren.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Integration - Was kann Musik leisten?":

  • 21.12.2016
  • Schwerpunktthema
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 1/2017
  • Seite 40-41

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