Das Ventil: Wie die Trompete neu erfunden wurde

Ventile dienen dazu, in Rohren und Leitungen die Strömung von Flüssigkeiten oder Gasen zu regulieren – zum Beispiel im Automotor oder am Heizkörper. Am Blasinstrument öffnet das Ventil ein kleines Zusatzrohr (»Ventilzug«), das die Schallröhre und damit die schwingende Luftsäule verlängert. Eine Erfindung, die die Blasinstrumente revolutioniert hat.

Die Anfänge des Trompetenspiels: Kein Vergnügen

In düsterer, ventilloser Vorzeit war der Spaßfaktor beim Trompetespielen überschaubar. Ein Trompeter »schmetterte« in der Regel elementare Fanfaren und beschränkte sich dabei auf die ersten vier Naturtöne seines Instruments.

Oder aber er spezialisierte sich auf die anstrengende Höhenakrobatik des Clarinspiels vom 8. Naturton aufwärts, wie es im 17. und 18. Jahrhundert an Europas Höfen in Mode kam. Erst in diesem hohen Register liegen die Naturtöne nahe genug beieinander, dass man mit ihnen richtige Melodien spielen kann.

Während Flötisten und Oboisten durch Fingergriffe die Länge der schwingenden Luftsäule leicht variieren konnten, stand dem Trompeter der Prä-Ventil-Ära immer nur eine einzige, konstante Rohrlänge zur Verfügung: eben die seines Instruments. Die Tonhöhe konnte er nur durchs Überblasen auf einen Oberton verändern – und in eingeschränkter Form durchs »Treiben« der Tonhöhe.

Beides verlangte viel Kraft und Konzentration. Die Virtuosen schworen schon damals auf besondere Salben zur Pflege ihrer strapazierten Lippen.

Das Clarinblasen

Der Trompeten-Professor Reinhold Friedrich weiß aus eigener Erfahrung, dass der Unterschied zwischen dem Clarinblasen und dem modernen Trompetenspiel »gewaltig« ist. »Es bedurfte eines anderen Mundstücks, einer anderen Spieltechnik und Artikulation, eines anderen Stils.«

Beim Clarinblasen musste die Luft zum Beispiel viel stärker gestoßen werden, weshalb Zähne und Lippen enger geschlossen wurden – man spielte beinahe mit »Kussmund«, der resultierende Ton erinnerte an eine Sopranino-Blockflöte. Das spezielle Mundstück dafür hatte einen flachen Rand und eine enge Mündung.

Selbst ein nüchterner Praktiker wie Johann Sebastian Bach forderte seinem Trompeter damals Übermenschliches ab. Im ersten Satz seines 2. Brandenburgischen Konzerts notierte Bach dreimal das dreigestrichene g (g³) – das ist auf der F-Trompete der 18. Naturton. Im Schlusschoral seiner Kantate BWV 31 verlangte er von der C-Trompete das dreigestrichene e (e³) – das ist sogar der 20. Naturton.

  • 16.01.2018
  • Praxis
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 1/2018
  • Seite 18-19

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