Das schwedische Jazzquintett Oddjob

  • 07.11.2017
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 11/2017
  • Seite 46-48

Tanzen ist erlaubt, Spaß unvermeidlich. Die schwedische Band Oddjob bastelt aus Retro-Versatzstücken der 1960er und 1970er Jahre ihre ganz eigene Klangwelt zwischen Vergangenheit und Zukunft. Seit 2002 hat das Quintett neun Alben veröffentlicht. Das zehnte Album erscheint in Kürze: Es ist eine Fortsetzung zum Kinder-Erfolgsprojekt »Jazzoo«.

Die Inspiration: Jazz-Rock-Soul-Funk-Fusion um 1970

Eine gestopfte Trompete wie von Miles Davis. Elektrische Keyboards, die an Herbie Hancock erinnern. Trockene Bläserriffs wie auf einer Aufnahme von James Brown. Psychedelischer Rock à la Grateful Dead. Dann ein Thema, das den Souljazz von Horace Silver wachruft.

Eine Hammondorgel im Stil von Keith Emerson. Saxofonphrasen wie von Wayne Shorter bei Weather Report. Dazu eine Prise Funk, eine Strecke Soundscapes, eine Portion Synthesizerklänge. Elektronisch verfremdete Beats, rockende Grooves und spacige Klangwolken...

Es ist unüberhörbar: Die Musik des Quintetts Oddjob ist inspiriert von der Jazz-Rock-Soul-Funk-Fusion um 1970. Die Art, wie die fünf Schweden die Stile und Sounds mischen, klingt jedoch ziemlich einzigartig.

Zunächst einmal: Zwei Bläser stehen im Vordergrund. Es sind der Trompeter (und Kornettist) Goran Kajfeš und der Saxofonist (und Flötist und Klarinettist) Per »Ruskträsk« Johansson. Der Namenszusatz »Ruskträsk« dient übrigens zur Unterscheidung von den unzähligen anderen Per Johanssons, die es in Schweden gibt. Ruskträsk heißt das Dorf, aus dem Johansson stammt. »Per Johansson und ich haben Oddjob gegründet«, behauptet Kajfeš.

Der überspringende Funke

Der Trompeter Kajfeš und der Saxofonist Johansson kennen sich schon lange. Sie sind erfahrene Studio- und Konzertcracks, leiten jeweils auch ihre eigenen Bands, haben auf Hunderten von Alben mitgewirkt, arbeiteten mit Weltstars wie Sting und Janet Jackson, mit Jazzgrößen wie Nils Landgren und Randy Brecker.

Wenn man’s genau nimmt, war einer dieser Jobs – beim schwedischen Soulsänger Eric Gadd – der Startschuss. In Gadds Begleitband waren nämlich vier Fünftel von Oddjob schon versammelt: »Wir haben uns unheimlich gut verstanden«, erzählte Per Johansson einmal. »Wir hatten gemeinsame musikalische Zielvorstellungen. Allerdings haben wir lange Zeit nur geplant, nur geredet, nie etwas Eigenes auf die Beine gestellt.«

Bis dann der Fünfte dazukam: Daniel Karlsson, der Keyboarder, ebenfalls ein Musiker mit reicher Erfahrung. »Auf einmal sprang der Funke über«, so Johansson. »Wir begannen, an unserem eigenen Sound zu arbeiten. Es war uns wichtig, dass wir ›soulful‹ klingen, dass unsere Grundlage der Jazz ist und dass wir als Band wiedererkennbar sind.«

« zurück