Das Schlagwerk: Leben zwischen Rhythmus und Musik?

Meinen Aufsatz möchte ich diesmal mit einer Anekdote beginnen: mein Neffe wollte mir die Vorzüge der Rockmusik deutlich machen, indem er argumentierte, dass klassische Musik keinen Rhythmus habe. Er versuchte, dies an der »kleinen« g-Moll-Symphonie, KV 183 von Wolfgang Amadeus Mozart zu beweisen.

Diese sei ohne jeden Beat, der erst durch ein unterlegtes Schlagzeug zustande käme. Den immanenten stringenten Rhythmus Mozarts akzeptierte er nicht als solchen. Ich stand etwas ratlos vor der geforderten Scheinordnung eines Musikstücks, die angeblich nur ein Schlagzeug zu schaffen in der Lage sei.

Wenn man das Wort Schlagzeug hört, denkt man zuerst an das Drumset, an aggressiv hämmernde Stereotype und »ruhestörenden Lärm«. Dieses Vorurteil wird uns leider täglich bestätigt durch die überlaute Beschallung durch die Sender, die gewöhnlich Autofahrer auf ihren Fahrten oder auch die völlig versunkenen Kids mit übergestülpten Kopfhörern unterhalten, die mit dümmlich-autistischen Gesichtern, rhythmisch Kaugummi kauend, an öffentlichen Haltestellen auf Bus oder Bahn warten.

Bildung und Verzicht

Auch Musikschullehrer können ein Lied von ihren Schlagzeugbewerbern singen, die mit funkelnden Augen als Instrument der Wahl das Drumset wünschen (ohne noch ein anderes Instrument zu kennen), um in einer Band zu spielen. Ich selbst musste an der Musikschule Mannheim erleben, wie man kenntnislos eine gesamtmusikalische Ausbildung auf dem Schlaginstrumentarium abschaffte, das Rock/Pop-Schlagzeug der Unterhaltungsabteilung zuordnete und völlig überbewertete. Die Schüler dieser Abteilung konnten kaum Noten lesen, spielten keine Stabspiele oder Pauken, kannten keinerlei sonstige Musik und machten dem Lehrer durch geringe Anforderungen den Alltag leicht.

Dabei ist das Schlagwerk eine der vielfältigsten Instrumentalgruppen mit unermesslichem Klangreichtum und einer wunderbaren Instrumentenfülle. Dies haben Komponisten und Bearbeiter von Blasmusik schon frühzeitig erkannt. Insbesondere in konzertanter oder sinfonischer Bläsermusik erfahren die Schlaginstrumente eine völlig neue künstlerische Bedeutung.

Im klassischen Bereich wird das Schlaginstrumentarium meist erst in der zeitgenössischen Musik wirklich effektiv eingesetzt, allerdings noch immer meist, um besondere Effekte zu erzielen und nicht so sehr, um autonome musikalisch-künstlerische Impulse zu setzen.

Wir unterscheiden bei Schlaginstrumenten zwischen Idiofonen und Membranofonen.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Das Schlagwerk: Alles Hinterbänkler?":

  • 29.05.2017
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 6/2017
  • Seite 18-20

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