»Das macht Spaß!« - Das 3-Klappen-Clarineau von Jo Kunath

Auf der Homepage begrüßt Jo Kunath aus der Fuldaer Meisterwerkstatt für Holzblasinstrumente mit den Worten: »Zeit ist das Kostbarste, das wir unseren Flöten schenken können...« Es wird zwar nicht ganz deutlich, von wem dieses Zitat stammt, doch die zahlreichen Erfindungen und Entwicklungen von Joachim Kunath lassen vermuten, dass es sich dabei um das Credo des Meisters selbst handelt. Denn dass Jo Kunath viel Zeit mit der Entwicklung von Intervallflöten, Fünftonflöten, Sonnenflöten, Sternenflöten oder Klassenflöten verbringt, ist mehr als deutlich.

Das neueste Werk aus der Blockflötenschmiede (kann man das bei Blockflöten überhaupt Schmiede nennen?) ist das 3-Klappen-Clarineau, das der Redaktion bzw. der professionellen Klarinettistin Martina Beck (Bayerische Staatsoper München) zum Test vorlag. Das 3-Klappen-Clarineau ist in deutscher oder barocker Griffweise erhältlich, die Testerin entschied sich für die erste Variante. Sie bekannte, das Instrument noch nicht zu kennen, doch vermutete sie – und das vollkommen richtig –, dass es sich schon rein namenstechnisch um eine »Kreuzung« aus Klarinette und Chalumeau handeln müsse. Und tatsächlich ist das Clarineau aus dem Vorläufer der Klarinette – also dem Chalumeau – entwickelt worden und ist mit einem modernen und leicht spielbaren Mundstück einer Klarinette (Boehm) ausgestattet. (Zum historischen Vorläufer, dem Chalumeau siehe auch den Kasten clarino.hintergrund auf der gegenüberliegenden Seite.)

Der erste Eindruck ist überaus positiv. Den Wohlfühlfaktor beschreibt die Testerin als sehr gut. Sie kommt als Klarinettistin also ohne große Eingewöhnungszeit aus und konstatiert: »Das hat Spaß gemacht!« Womit ja der erste und ein nicht unwichtiger Grund für die Anschaffung eines solchen Instruments gegeben wäre.Die Meisterwerkstatt für Holzblasinstrumente Jo Kunath legt mit dem 3-Klappen-Clarineau bereits die dritte Variante des Instruments vor. Für den Einsteiger gibt es die »Grundform«, das Pocket-Clarineau. Mit diesem kann man sich den Instrumenten Klarinette oder Saxofon annähern. Das Pocket-Clarineau greift sich wie eine Blockflöte und erleichtert so den Ein- und Umstieg auf diese faszinierenden Instrumente. Der Tonumfang ist chromatisch c1 bis d2 für Anfänger. Für Fortgeschrittene ist noch eine weitere Oktave spielbar.

Nach dem Pocket-Clarineau ist das Clarineau die nächsthöhere Stufe. Es ist ebenfalls ein gutes Einstiegsinstrument für alle, die sich den Instrumenten Klarinette oder Saxofon nähern möchten. Das Clarineau greift sich in der unteren Oktave wie eine Blockflöte und erleichtert so den Ein- und Umstieg auf die Einzelrohrblattinstrumente. Das Clarineau wurde in Zusammenarbeit mit Thomas Denig, Klarinettenlehrer der Freien Musikschule Hamburg, entwickelt. Der Tonumfang ist chromatisch c1 bis g2. Geübte Spieler dürften auch mehr erreichen.Das neue 3-Klappen-Clarineau ist nun »das Flaggschiff unserer Clarineau-Modelle«, wie die Firma Kunath aus Fulda beschreibt. Auch dieses Instrument greift sich in der unteren Oktave wie eine Blockflöte. Da Klarinetten aber in die Duodezime (12. Ton) überblasen, weichen die Griffe der oberen Töne von denen der Blockflöte ab. Das 3-Klappen-Clarineau wurde in Zusammenarbeit mit Philipp Iberg entwickelt. Die Testerin beschreibt die Intonation als gut. Gestimmt ist das Instrument in 440 Hz – »was für Deutschland eher ungewöhnlich wäre«, so Martina Beck. »Aber für gute Ohren ist der Spielraum groß – auch 443 Hz ist beispielsweise für das Zusammenspiel möglich.«Das Instrument ist aus imprägniertem Birnbaumholz gefertigt. Dadurch erhalten die Instrumente einen besonders weichen und warmen Klang, der von der Testerin als – schlicht und ergreifend – »schön« bezeichnet wird.

»Kranke Töne« sind eigentlich nicht vorhanden. Lediglich das tiefe C »klingt nicht«, was aber eventuell mit einer zusätzlichen Klang-Loch-Öffnung zu beheben wäre. »Und das tiefe cis1 ist ein wenig kränkelnd«, meint Martina Beck.Das Clarineau wird mit drei Klappen gebaut – daher auch der Name. Durch die besondere Konstruktion können die Klappen die Polster und Federn zuverlässig schützen. Dabei befindet sich auf der Vorder- und der Rückseite je eine Klappe und seitlich die h/fis-Klappe. Da die Klappen in einer speziellen Weise in den Korpus integriert sind, können Beschädigungen »selbst im rauen Schulbetrieb«, wie der Hersteller anmerkt, so gut wie ausgeschlossen werden.

Die Griffweise ist »deutsch« (Doppelloch). Sie erscheint der Testerin im ersten Augenblick »etwas verwirrend«. Denn »als Erwachsene von der Klarinette kommend erscheint die Kombination aus Blockflötengriffweise und dem Überblasen in die Duodezime« kompliziert. Kinder – als Übergang von der Blockflöte zur Klarinette – dürften sich so leicht nicht tun. Auch die Grifftabelle könnte den Anfänger vor Probleme stellen, da man zuerst vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht, sprich: vor lauter Löchern und Klappen den Ton nicht mehr trifft. »Vielleicht sollte man statt ›offene‹ bzw. ›geschlossene Klappe‹ lieber ›Klappe gedrückt‹ bzw. ›nicht gedrückt‹ sagen«, schlägt die Testerin vor. Dass dieses Instrument aber natürlich nicht ohne Üben gespielt werden kann, versteht sich von selbst. Es ist schließlich keine Trillerpfeife. Und was sich dann aber mit dem Instrument für Möglichkeiten auftun, kann man auch als Inspiration über die Videos bekommen, die der Hersteller auf seiner Homepage anbietet. Wenn Philipp Iberg dort zu Demonstrationszwecken »Old English«, »Moldau«, »Rumänisch« oder »Schweizerisch« spielt, bekommt man eine Ahnung davon, warum der Testerin Martina Beck das Instrument Spaß machte.

Das 3-Klappen-Clarineau richtet sich vor allem an diejenigen Spieler, die schon andere Holzblasinstrumente spielen und sich den Rohrblattinstrumenten nähern. Für Leute, die gerne Musik in kleinen Gruppen – vielleicht in Richtung Folk und Mittelalter – spielen, dürfte das Instrument eine Bereicherung sein. Als Anfängerinstrument (vor allem für Kinder) sieht die Testerin das Instrument eher nicht geeignet. »Kinderfinger können die Griffkombinationen nur schwer greifen«, meint sie. Das Überblasen (linker Daumen) gestaltet sich als schwierig. Auch das Betätigen der Klappe mit dem linken Zeigefinger dürfte sich für Kinderhände als kompliziert darstellen.Im Lieferumfang sind Mundstück und Blattschraube von Zinner enthalten. Ferner gibt es noch Blättchen (Stärke 1,5), Wischerstange mit Läppchen, Fettdöschen, Grifftabelle und die Pflegeanleitung dazu. Das alles kommt in einer gepolsterten Schutztasche. Jo Kunath gibt auf das 3-Klappen-Clarineau fünf Jahre Garantie.

Das Instrument ist mit 199 Euro nicht teuer. Wenn aber das 3-Klappen-Clarineau eine logische Fortsetzung der Instrumente Pocket-Clarineau (89 Euro) und Clarineau (159 Euro) darstellt, kommt doch einiges zusammen, bevor auf Klarinette oder Saxofon umgesattelt wird. In jedem Fall dürfte das Instrument viel Freude an der Musik bringen und vor allem Lust auf mehr machen.

Die Testerin

Martina Beck studierte Schulmusik sowie Klarinette an der Universität bzw. Musikhochschule Freiburg im Breisgau. Für den Studiengang Orchestermusik wechselte sie im Jahr 2001 nach ihren Examina an die Stuttgarter Musikhochschule zu Prof. Norbert Kaiser. Meisterkurse bei Sabine Meyer, Ralph Manno und Thomas Friedli sowie ein Gastsemester bei Prof. H. D. Klaus in Detmold vervollständigten ihre Ausbildung. Es folgten Substitutenstellen bei der Neuen Philharmonie Westfalen (Recklinghausen/Gelsenkirchen) und beim Gürzenich-Orchester (Köln). Von 2004 bis 2008 war sie als Klarinettistin und Bassklarinettistin im Frankfurter Museumsorchester tätig, seit November 2008 ist sie Bassklarinettistin an der Bayerischen Staatsoper in München. Zudem unterrichtet sie als Dozentin für Bassklarinette an der Musikhochschule Detmold.

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2011
  • Seite 22-24

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