Das Klangwunder: Zur Geschichte der Bassklarinette

  • 23.06.2015
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 7-8/2015
  • Seite 58-61

Dieses Instrument verbindet die vielfache Expressivität der Klarinette mit sensationellen Talenten in der Tiefe. Die Zukunft der Bassklarinette wächst von Jahr zu Jahr.

Die Klarinette war ein vielversprechender Newcomer im 18. und ein Star-Instrument im 19. Jahrhundert. Mozart liebte dieses stimmnahe, kreatürliche Timbre, Weber und Mendelssohn machten es zum Inbegriff romantischer Empfindung.

Klarinetten in tieferen Lagen

Schon früh wurde daher der Wunsch laut, den Klarinettenklang nicht nur im Sopranregister zu hören, sondern auch in tieferen Lagen. Um 1770 entstanden die ersten Altklarinetten: Das Bassetthorn begeisterte Mozart noch mehr, als es die Sopranklarinette tat.

Auch an Klarinetten im Bassregister – doppelt so lang wie eine normale Klarinette – wurde seit etwa 1750 gebastelt. Kurz nach Mozarts Tod verbreiteten sich die ersten praktikablen Modelle.

Damit die Grifflöcher an dem 1,50 Meter langen Instrument noch mit den Fingern zu erreichen waren, versuchten es die frühen Erfinder mit den verrücktesten Bauformen: gerundet, schlangenförmig, doppelt gewunden oder wild verwinkelt. Auch die Namen der ersten Modelle waren abenteuerlich: Basse tube, Basse orgue, Basse guerrière, Klarinettenbass, Clariofon, Bathyfon, Glicibarifon...

Asolphe Sax und die Klarinette

Das eigentliche Instrument von Adolphe Sax (1814 bis 1894) war die Klarinette. Er studierte sie an der Königlichen Musikschule in Brüssel (neben Gesang, Flöte und Harmonie) und galt schon in seiner Jugend als meisterlicher Klarinetten-Virtuose.

Mit 20 Jahren präsentierte er auf der Brüsseler Industrieausstellung ein selbst entwickeltes 24-Klappen-Modell auf der Basis der Müller-Klarinette. Doch das eigentliche Manko der damals üblichen Holzblasinstrumente bestand für Sax nicht im hohen, sondern im tiefen Tonbereich.

Er schrieb: »Man weiß, dass die Blasinstrumente im Allgemeinen entweder zu rau oder zu stumpf in ihrem Klang sind, besonders in der Tiefe ist der eine oder andere dieser Fehler sehr fühlbar. Die Ophikleide zum Beispiel [...] gibt einen so unangenehmen Klang, dass man genötigt ist, sie aus geschlossenen Sälen zu verbannen [...]. Das Fagott dagegen gibt einen so schwachen Ton, dass es nur zur Begleitung und zur Füllung verwendet werden kann [...].«

Sax ergänzt den charakteristischen S-Bogen

Um hier Abhilfe zu schaffen, begann sich Sax früh auch mit der tiefen Variante »seiner« Klarinette zu beschäftigen. Bei der Entwicklung eines verbesserten Modells orientierte er sich an der Bassklarinetten-Form von Humont-Desfontenelles (1807), ergänzte sie aber mit dem heute charakteristischen S-Bogen.

Sax wählte eine breitere Bohrung des Korpus, verbesserte das Mundstück und erreichte damit einen ­kräftigeren Klang. Er adaptierte und vereinfachte das Griffsystem von Müller, führte eine zweite Überblasklappe ein und schuf so eine leichtere Spielbarkeit.

Tonlöcher, Tasten und Klappen

Vor allem aber wendete er die physikalischen Kenntnisse seiner Zeit erstmals konsequent auf die Bassklarinette an und platzierte die Tonlöcher akustisch exakt. Damit waren die Löcher allerdings nicht mehr mit den Fingern zu greifen, sondern benötigten durchweg Tasten und Klappen.

Sax machte dabei auch Verwendung von Ringklappen, mit denen zwei Aktionen gleichzeitig ausgelöst werden können. Die Bassklarinette brachte Adolphe Sax den beruflichen Durchbruch.

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