Das Instrument beherrschen - Svenja Kips über Herausforderungen

  • 24.09.2014
  • Praxis
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 10/2014
  • Seite 22-24

Als Svenja Kips ihr Instrument, die Flöte, mit drei Worten charakterisieren soll, weiß sie das recht schnell: elegant, ­strahlend und charmant. Ob diese Eigenschaften auch auf die 29-jährige Musikerin zutreffen? Sie zögert ein wenig. Nach dem Gespräch ist uns klar: Vollumfänglich!

CLARINO: Frau Kips, Sie haben im Sommer 2013 ihr Konzertexamen mit Auszeichnung bestanden, in dem Sie unter anderem Mauricio Kagels »Das Konzert« ­gespielt haben. Ein Konzert für Flöte, Harfe, Schlagzeug und Streicher. Was zeichnet das Werk aus? Wo liegen die ­Herausforderungen und Schwierigkeiten?

Svenja Kips: Es ist kein typisches Werk, würde ich sagen. Die Sätze gehen ohne Pausen ineinander über. Das Stück ist zudem 26 bis 27 Minuten lang. Man braucht viel Puste, um von vorne bis hinten durch­zukommen. Untypisch sind auch die Kadenzen. Denn es ist nicht so, dass der Solist sich da austoben kann, um zu zeigen, was er drauf hat. Das macht er während des ­gesamten Konzerts – nur eben in den ­Kadenzen nicht. Michael Faust hat es ­»Anti-Kadenzen« genannt. Das Konzert ist sehr, sehr virtuos. Man braucht viele Klangfarben. Man muss alles auspacken, was man in der Hinsicht zu bieten hat. Außerdem setzt man die Singstimme ein, während man spielt. Man singt andere Töne, als man spielt. Mit diesen Multiphonics ­erzeugt man bestimmte Klänge. Das Werk war für mich auch rhythmisch eine Herausforderung. Was auch nicht so ganz ohne ist, sind die Wechsel zwischen Flöte und Alt­flöte. Das muss man gut einstudieren. Für die letzten paar Takte kommt sogar noch die Piccoloflöte dazu. 

Svenja Kips ist in Köln und Hennef aufgewachsen und erhielt ihren ersten Querflöten­unterricht mit elf Jahren an der Musikschule in Hennef. Nach einigen Er­folgen beim Wettbewerb »Jugend ­musiziert« (1. Preise auf Landesebene 2000 bis 2005) begann sie 2005 ihr ­Instrumentalstudium an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf bei Prof. André Sebald. 2009 wechselte sie innerhalb der Hochschule in die Klasse von Prof. Michael Faust, bestand 2011 ihr Diplom mit der Note 1,0 und im Sommer 2013 ihr Konzert­examen mit Auszeichnung. Seit 2008 sammelt Svenja Kips in vielen Orchestern ­Erfahrung. Sie war Stipendiatin der Orchesterakademie der Bergischen ­Symphoniker, spielte bei den Duis­burger Philharmonikern ein halbes Jahr Solopiccolo sowie ­Soloflöte im Städtischen Orchester Bremer­haven. Als Aushilfe spielte sie im WDR Sinfonie- und Rundfunk­orches­ter, im Sinfonieorchester Wuppertal, in der Nordwestdeutschen Philhar­monie und der Jungen Deutschen Philhar­monie.

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