Das Geheimnis des Klangs liegt im Kopfstück - Z-Cut und S-Cut von Azumi im Vergleich

  • 22.06.2012
  • Test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 7-8/2012
  • Seite 56-58

Die Firma AZUMI verspricht auf ihrer Homepage »Kontinuierliche Weiter- und Neuentwicklungen sowie hohe technische und handwerkliche Perfektion«. Dies sei »maßgeblich für unsere Flöten«. Die neuesten Modellreihen sind die Serien Z-1, Z-2 und Z-3, die in insgesamt acht verschiedenen Modellen an­geboten werden. Die Palette reicht vom Instrument in Neusilber versilbert (z-1) über das Instrument mit Sterling-Silber-Kopfstück (z-2) bis hin zum Sterling-Silber-Instrument (z-3). 

Der Testerin Stefanie Brandthaus lagen zum Test nun insgesamt sechs Instrumente vor. Dabei handelte es sich um drei Z-Cut-Instrumente sowie drei S-Cut-Instrumente. Denn die Redaktion hatte sich die Spezifikationen der neuen Modelle angesehen und festgestellt, dass es die neuen Azumi-Instrumente teilweise schon in der S-Cut-Variante gibt, weshalb die Gegenüberstellung von Z-Cut und S-Cut interessant und sinnvoll erschien. Aus der Reihe Z-2 lagen die Modelle »AZ-Z2E« und »AZ-Z2RBE«, aus der Reihe Z-3 die Flöte mit der Bezeichnung »AZ-Z3RBE« vor. Analog dazu standen die Flöten »AZ-S2E«, »AZ-S2RBE« sowie »AZ-S3RBE« zum Test zur Verfügung. Dabei sind die Z-Cut- und S-Cut-Varianten von der Ausstattung her identisch. Die ­Modelle »Z2E« und »S2E« verfügen über eine Mechanik aus Neusilber versilbert, E-Mechanik sowie vorgezogenes G. Weiter haben die Modelle in der Stimmung A = 442 Hz geschlossene Klappen sowie einen C-Fuß.Die Modelle »Z2RBE« und »S2RBE« sind ebenso mit einer Mechanik aus Neusilber versilbert ausgestattet sowie mit E-Mechanik und vorgezogenem G. Die Modelle haben allerdings Ringklappen sowie einen H-Fuß. Diese Ausstattung haben auch die Modelle »Z3RBE« und »S3RBE«. 

Material

Die Mundlochplatte und der Mundloch­kamin bestehen bei allen Testinstrumenten aus 925er Sterling-Silber. Neben den guten klanglichen Eigenschaften bietet das sehr reine Sterling-Silber den Vorteil, dass es nicht mit Nickel versetzt ist und in der Regel keine allergischen Reaktionen hervorruft. Der Korpus besteht bei den Modellen der Z2- bzw. S2-Reihe aus Neusilber. Neusilber ist eine silbern glänzende Metall­legierung, die mit Silber lediglich dem Namen nach zu tun hat, aber keinen Silber­anteil besitzt. Die höheren Modelle wurden mit einem Korpus aus Sterling-Silber (Z3) bzw. Britannia-Silber (S3) ausgestattet und bieten dadurch bereits professionelle Möglichkeiten in den Punkten Klang und Klanggestaltung. Britannia-Silber ist eine Silberlegierung, die einen noch höheren Reinheitsgrad aufweist. Die Bezeichnung »958« steht für den Feingehalt an Silber (in Tausendsteln). Britannia-Silber ist also noch reiner als etwa das gebräuchliche 925er Sterling-Silber. Aus Britannia-Silber bestehen zudem die Kopfstücke der S-Cut-Serie, während Flöten der Z-Cut-Serie »nur« auf Sterling-Silber zurückgreifen. 

Alle Instrumente verfügen über augen­fälliges Spitzdeckeldesign. Spitz­deckel­mechaniken wurden vor Jahren ausschließlich im Profibereich verbaut. Warum? Weil die Herstellung aufwendiger ist. Heute werden Spitzdeckel auch schon in der Schüler- und Mittelklasse verbaut. Denn die Mechanik ist robuster und der Ton bleibt auch im größten fortissimo stabil. Besser sind damit auch die Zukunftsperspektiven. Viele Musiker kaufen sich lieber ein Instrument mit größerem Potenzial, als schon nach wenigen Jahren aus dem Instrument herauszuwachsen. Allen gemeinsam ist zudem die hohe Qualität der Verarbeitung, die guten Spieleigenschaften und ein praktisches Zubehörpaket: Putz-Utensi­lien sind ebenso im Lieferumfang enthalten wie ein Hartschalen-Etui samt passender Trage­tasche. Azumi legt zudem einen Anlaufschutz mit ins Etui.

Und da das große Geheimnis des guten Flötenklangs bekanntermaßen im Kopfstück liegt, findet man hier auch den Haupt­unterschied zwischen den Instrumenten der Z-Cut- und der S-Cut-Serie. Sämtliche Kopfstücke sind handgemachte Altus-Kopfstücke, die höchsten Ansprüchen genügen. Azumi verwendet hier nun zwei verschiedene Mundlochvarianten. Mit dem Z-Cut wird eine Mundlochform beschrieben, bei der die Anblaskante und die gegenüberliegende Kante tendenziell gerade und parallel sind, wie die obere und untere Linie des Buchstaben »Z«. Im Gegensatz dazu stehen die sonst leicht ovalen Mundlochformen – S-Cut.

Der instrumentale Vergleich

Die Testerin Stefanie Brandthaus hat alle sechs vorliegenden Flöten gespielt und dabei vor allem die (fast) baugleichen miteinander verglichen. Denn hier war Vergleichbarkeit möglich. Eine Rangliste sollte dabei nicht erstellt werden, da dies unmöglich war. Zumal sich unterschiedliche Aus­stattung und Material ohnehin nicht mit­einander vergleichen lassen – sich dann aber logischerweise in der unverbindlichen Preisempfehlung niederschlägt. Die Testerin merkte zudem an, dass alle Flöten samt und sonders mit positiven Eigenschaften begeistern und durchweg gute Noten erhielten. Aus diesem Grund wurde bei diesem Test auch auf die Pro-und-Kontra-Gegen­überstellung verzichtet. Grundsätzlich kann man feststellen, dass die Instrumente der Z-Cut-Serie über eine sehr leichte Ansprache verfügen sowie das Fokussieren des Tones vereinfachen, während die Instrumente der S-Cut-Serie einen ausdrucksstarken und facettenreichen Klang ermöglichen, der Spieler aber mit ­etwas mehr Blaswiderstand rechnen muss.

AZ-Z2E und AZ-S2E: Diese beiden Flöten bewertet die Testerin als »gehobene Schülerflöten«. Stefanie Brandthaus attestiert der Z2E eine »leichte Ansprache in allen Lagen sowie einen hellen und vollen Klang«. Demgegenüber verfügt die S2E – »besonders in der Tiefe« – ebenfalls über eine leichte Ansprache, aber über einen kräfigeren und vollen Klang. Die Intonation ist bei beiden Instrumenten »gut«. Erstaunlich findet die Testerin, dass ihren jüngeren Schülern der hellere Klang und offenere Ton der Z2E besser gefiel. »Sie bezeichneten die Flöte als ›jung‹«.

AZ-Z2RBE und AZ-S2RBE: In die obere Schülerklasse bzw. die sehr gute Mittelklasse würde die Testerin diese Instru­mente einsortieren. Die S2RBE verfügt dabei über einen großen, offenen Ton, der etwas dunkler als der des »Schwester­modells« Z2RBE daherkommt. Die Intonation und die Ansprache bekommen ein glattes »sehr gut«. Die Z2RBE hat einen warmen Klang, besonders in der Tiefe. »Diese Flöte ist ein gutes Instrument, das meine Zustimmung verdient. Es ist sehr empfehlenswert, auch wenn es für eine Schülerflöte der gehobenen Preisklasse angehört.« Was aber die Testerin nicht davon abhält, dem Preis/Leistungs-Verhältnis ein »gut« zu geben. 

AZ-Z3RBE und AZ-S3RBE: Auch wenn der Preis dieser beiden Modelle doch deutlich höher ist als der vorherigen, hält die Testerin diesen für völlig in Ordnung. Was natürlich mit dem Material und den damit verbundenen Spieleigenschaften zusammenhängt. Zum Einsatz dürften diese Flöten nach Meinung der Testerin beim sehr anspruchsvollen und schon fortgeschrittenen Schüler bzw. (Hobby-)Musiker kommen. Mit diesen Instrumenten hat wohl auch der Student schon bzw. noch seine Freude. Die Z3RBE spricht noch in der 3. Oktave leicht an und verfügt über einen massiven, vollen Ton. Für den Klang gibts im Test die Höchstnoten. »Dies ist ein ausgesprochen gutes Instrument, anspruchsvoll und gut ausgewogen in allen Registern.« Als ein »ästhetisches Instrument« bezeichnet Stefanie Brandthaus die S3RBE. »Das gefällt mir gut!« Die Ansprache in allen Registern und die Intonation erhalten Bestnoten, auch der Klang kommt »gut« weg. 

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Erweiterung der Azumi-Produktpalette die Auswahl eines Instruments nicht eben leichter macht. Mehr Auswahl bedeutet auch mehr Arbeit beim Instrumentenkauf. Der besondere Schnitt (Cut) der handgefertigten Altus-Kopfstücke unterstützt die Fähigkeiten und Vorlieben der Flötenspieler. Der musikalische Fortschritt wird bestmöglich gefördert. Der große Vorteil also ist, dass nun noch mehr Varianten zur Verfügung stehen. So wird die Flötenauswahl noch facettenreicher und individueller. Die Chance ist also erhöht worden, dass der Flötist ein Instrument in den Händen hält, mit dem man eine ganze Weile seinen Spaß haben kann.

Die Testerin

Stefanie Brandthaus studierte Flöte in Augsburg und arbeitet seit dem Examen als Flötenlehrerin an der Städtischen Sing- und Musikschule Landsberg am Lech. Daneben wirkt Stefanie Brandthaus in der Jury beim Wettbewerb »Jugend musiziert« und ist Prüferin beim Musikbund von Ober- und Niederbayern. Sie ist Mitglied im Arcadie-Flötenquartett München – die rege Konzerttätigkeit erstreckt sich über den gesamten süddeutschen Raum.

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