das "geguugge" - streit um wort, instrumente, geschichte

  • 21.09.2011
  • Tobias Schumacher
  • Ausgabe: 2/2003
  • Seite 30

Fasching respektive Fasnacht ist eine Weltanschauung. Ebenso die Guggenmusik, was Querelen um Definitionen und Inhalte geradezu provoziert. So streiten Wissenschaftler wie Musiker schon um die Herkunft des Wortes: Führen die einen Guggenmusik auf die süddeutsche "Gugge" (Papiertüte) zurück, auf der geblasen, mit der Krach gemacht wurde, verweisen andere auf das "Geguugge", den alten Zentralschweizer Brauch, auf Kuhhörnern zu blasen, um die Wintergeister zu verscheuchen. In der Region Basel wird ein "Schreihals, Lärmer, schlechter Trompeter" als "Güggi" bezeichnet. "Güggli" gilt örtlich als Synonym für ein "schlecht tönendes Kindertrompetchen".

Wie dem auch sei: Schweizer aus Basel und Luzern können über den Fasching deutscher Prägung in Mainz oder Köln nur milde lächeln. Und wer Fasnacht in der Schweiz nicht selbst erlebt hat, kann sich schwerlich eine Vorstellung davon machen, was sich hinter einer Guggenmusik verbirgt. Auf den ersten Blick eine phantasievoll bunt kostümierte Horde von oft 50 Personen und mehr, die in atemberaubendem Marschtempo und Gleichschritt durch die Straßen stürmt, mit unter einem einheitlichen "Sujet" (Thema) aufwendig gebasteltem und geschneidertem Häs (Gewand) und oft meterhohem Kopfschmuck (Larven).

 

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