das fünf-sterne-restaurant (2) - ist die interpretation eine frage des geschmacks?

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Thomas Doss
  • Ausgabe: 5/2004
  • Seite 16-18

Der österreichische Komponist Thomas Doss geht auch in diesem zweiten Teil seines Essays der Frage nach, ob Interpretation eine Frage des Geschmacks ist. Er verbreitet dabei keine interpretatorischen Tipps und Absolutheiten, sondern will einen Nachdenkprozess auslösen, der dem eines Weges gleichzusetzen ist. Und sein Motto lautet: »Der Weg ist das Ziel.«

Was passiert zwischen der ersten und letzten Note? Nehmen wir den Beginn und das Ende eines Musikstückes, so finden wir dazwischen etwas, das dem wirklichen Leben sehr ähnlich ist. Egal, um welche Art von Musik es sich dreht – was zwischen dem ersten und letzten Ton »passiert«, ist – sobald wir darauf reagieren – ein Teil von uns und einer bestimmten Bewusstseinsebene zuzuordnen. Ein schnelles Stück, ein langsames Stück, ein fröhliches, dramatisches, aggressives, meditatives . . . Natürlich kann ich nicht immer meine Stimmungen wechseln wie es mir gefällt. Doch all diese Stimmungen sind Teil von uns und deswegen Realität. Ich nehme sie an, wenn ich dazu bereit bin. Die Musik kann einen bereit machen. Das ist der Job des Interpreten: Es muss ihm gelingen, in die Psyche des Hörers zu gelangen und ihn zu packen, zu ergreifen. Ist es nicht interessant, dass Musik aus verschiedenen Kontinenten, aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, Stilen, Zeitepochen ein und dasselbe aussagen kann wie Angst, Trauer, Freude, Leichtigkeit – eben Emotionen aller Art?

 

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