Das Bassetthorn - Der Klang der Melancholie

  • 21.09.2011
  • Instrument
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 5/2011
  • Seite 36-37

Erfunden wurde es um 1760, Mozart machte es unsterblich. Dennoch ist die Geschichte des Bassetthorns voller Missverständnisse, Krisen und Kontroversen. Denn die einen empfanden seinen melancholischen Klang als heilig und feierlich, die anderen eher als unpersönlich und glanzlos.Verwirrung stiftet schon der Name: Bassetthorn. Ja, Bassett heißt auch eine Hunderasse, vermutlich wegen ihres niedrigen Körperbaus. Denn »Bassetto« ist einfach die Verkleinerung von »basso« und bezeichnet in der Musik ein Register, das zwar über dem Bass liegt, aber durch zusätzliche Töne in Richtung Bassbereich erweitert sein kann. Komplizierter wird es beim Begriff »Horn«: Das Bassetthorn ist eine Klarinette und hat mit einem Waldhorn nichts zu tun. Warum das Instrument dennoch ein »Horn« in seinem Namen hat, darüber gibt es verschiedene Theorien. Theorie 1: Die frühesten Bassetthörner waren halbkreisförmig gebogen – ähnlich einem Horn. Theorie 2: Sie waren mit Leder umwickelt wie Jagdhorn oder Zink. Theorie 3: Das Bassetthorn besitzt – anders als die Klarinette – einen metallenen Trichter. Theorie 4: Sein Klang in der Tiefe kann an ein Waldhorn erinnern. Theorie 5: Es verhält sich zur Klarinette wie das Englischhorn zur Oboe – und das Englischhorn ist ja auch kein Horn.Erfunden wurde das Bassetthorn in Deutschland um das Jahr 1760. Bis dahin war die Klarinette – rund ein halbes Jahrhundert lang – einfach nur ein Sopran-Instrument. Aber plötzlich meldete sich ein Bedarf an Sonorität: Die Bassklarinette wurde nun entwickelt, ebenso die Bassettklarinette – eine Sopranklarinette mit zusätzlichen tiefen Tönen –, und eben auch das Bassetthorn: eine Klarinette in Altlage mit Zusatzklappen zur Erweiterung des Tonumfangs nach unten. Notiert wird das Bassetthorn in C, gestimmt ist es meist in F, aber es gab auch Bassetthörner in D, E, Es und G. Die Familie Mayrhofer in Passau und ein Theodor Lotz in Wien haben Entscheidendes zur Entwicklung des frühen Bassetthorns beigetragen, der eigentliche Erfinder aber ist unbekannt. Einige der ersten Instrumente wurden offenbar am fürstlichen Hof der Thurn & Taxis in Regensburg gespielt.

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