Das Auge: Wo Körper und Seele sich vermischen

  • 16.08.2016
  • Schwerpunktthema
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 9/2016
  • Seite 35-37

»Das Auge ist der Punkt, in welchem Körper und Seele sich vermischen. « Dieser Ausspruch stammt vom Dichter Christian Friedrich Hebbel (1813 bis 1863) und weist auf die Sublimierung des menschlichen Sehens in nahezu allen Lebensbereichen hin. Selbst ein Blick auf abstrakte Formen und Inhalte beflügeln den Betrachter, seinen denkenden und fühlenden Geist aufnehmend und wertend mit dem Gesehenen zu verbinden.

Der große deutsche Arzt, Schriftsteller und Begründer der Anästhesie, Carl Ludwig Schleich (1859 bis 1922), rühmte diese Fähigkeit des wissenden Sehens mit den Worten: »Das Schönste am Menschen ist sein Auge. Es empfängt den Quell des Lebens, das Licht, und gibt es wieder zurück als Strahl der Dankbarkeit. Die Sonne schuf das Menschenauge, um sich selbst und ihre Schönheit darin zu bewundern. Das Weltall glüht in unseren Augen und es verglimmt in unseren Tränen.« (aus »Die Weisheit der Freude«, Ernst Rowohlt Verlag 1921). 

Diese überschwänglichen Worte Schleichs führen uns direkt in unser Thema, wenn wir implizieren, dass auch Musik und Musizieren über die Augen zur Hörleistung werden. Die Transformation des Gesehenen in Musik führt in deren Aussagekraft zur höchsten Vollkommenheit des menschlichen Geistes, zur existenziellen Widerspiegelung der Welt und unseres Seins. Was macht unser Sehen so kostbar? Im Folgenden möchte ich einige wichtige anatomisch-physiologische Grundlagen unserer Augen darstellen und dann auf praktische Sehleistungen beim Spielen eines Instruments und dem Musizieren im Orchester näher eingehen.

Aufbau des Auges

Aus medizinischer Sicht ist das Auge ein vorgeschobener Gehirnteil, der die Verbindung zur Außenwelt schafft. Es ist ein komplexes, bewegliches und empfindliches Gebilde und das wichtigste Sinnesorgan des Menschen.

Bei jedem Blick auf die Umgebung entsteht auf der Netzhaut ein Bild, das zur Auswertung an das Gehirn weitergeleitet wird. Der Augapfel kann mit einer Kamera verglichen werden. Die nachfolgenden Darstellungen und Definitionen entnehme ich dem Buch »Anatomica«, Verlag Pullmann, oder aus Wikipedia in gekürzter und ausgewählter Form.

Wegen ihrer Empfindlichkeit benötigen die Augen besondere Schutzvorrichtungen. Die knöcherne Augenhöhle schützt das Auge vor Verletzungen, und die Augenlider, Wimpern und Brauen verhindern, dass Staub und Schweiß ins Auge dringen. Mithilfe von Tränenflüssigkeit können die vorderen Bereiche des Auges sauber und feucht gehalten werden.

Der Augapfel ist dafür zuständig, Lichtreize von außen wahrzunehmen. Er hat nahezu die Form einer Kugel. Im Innern des Augapfels befinden sich die Linse, der Glaskörper und die Augenkammern.

Das Licht, das beim Sehen auf das Auge trifft, gelangt durch die Hornhaut, Pupille, Linse und den Glaskörper auf die Netzhaut (Retina). Die Retina nimmt die einfallenden Lichtsignale auf und verarbeitet sie in elektrische Signale. Anschließend leitet sie die Signale weiter an den Sehnerv.

Über den Sehnerv werden Signale oder Informationen schließlich an das Gehirn geschickt. Der Sehnerv ist eher eine Hirnbahn. Er verläuft vom Augapfel s-förmig durch die Augenhöhle bis zur Sehrinde im Gehirn.

Für die Beweglichkeit des Auges sorgen vier gerade sowie zwei schräge Augenmuskeln. Sie setzen jeweils oben, unten, links und rechts sowie schräg außen oben und unten am Augapfel an. Dadurch kann man mit dem Auge Drehbewegungen in alle Richtungen ausführen.

Das PDF enthält alle sechs Artikel des Schwerpunktthemas "Das Musizieren und die Augen":

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