Das Akademische Blasorchester München: Ein Trendsetter feiert Geburtstag

  • 03.03.2018
  • Szene
  • Severin Richter
  • Ausgabe: 3/2018
  • Seite 42-45

40 Jahre wird das Akademische Blasorchester München (ABO) alt, und seine große Faszination auf die Musiker ist ungebrochen: »Ich freue mich jedes Jahr aufs Neue auf das ABO« (Susanne Perret, Fagott) – »Am Ende jeder Projektphase bin ich dann immer wieder gespannt, was beim nächsten Mal auf dem Programm stehen wird. Und wenn es irgendwie geht, möchte ich dann auch wieder dabei sein« (Christoph Metten, Eufonium) – »So habe ich mir ein Orchester immer vorgestellt und ich bin froh, es im ABO gefunden zu haben« (Erwin Köppendörfer, Altklarinette).

Dies sind nur drei exemplarische Zitate aus einer langen Reihe, aber sie zeigen deutlich, welchen Stellenwert das Projektorchester genießt. Dirigent Michael Kummer und seinen Mitstreitern ist es seit der Gründung des Orchesters gelungen, das Orchester nicht nur zu etablieren, sondern stetig weiterzuentwickeln und seine Anziehungskraft für Musiker und Publikum aufrechtzuerhalten.

Anfangsbesetzung: Piccolo, Oboe, Eufonium und Tuba

Die Geschichte des ABO beginnt im Jahr 1974. Keimzelle war ein Musikerstammtisch im Weißen Bräuhaus in München, wo sich einige Studenten nach ihrer Dienstzeit beim Musikkorps trafen. Sie entwickelten den Gedanken, auch als Zivilisten weiter gemeinsam hochwertige Blasmusik machen zu wollen und hierzu ein Ensemble zu etablieren.

Zu einer ersten Probe erschienen allerdings, wohl weil sie sehr kurzfristig anberaumt worden war, nur vier Musiker – in der abenteuerlichen Besetzung Piccoloflöte, Oboe, Eufonium und Tuba. Die Leitung hatte damals noch der Flötist und spätere Leiter des Hessischen Polizeimusikkorps, Joseph Kanz, die Tuba bediente sein Mitbewohner Michael Kummer.

Bald wuchs das Ensemble auf etwa 25 Personen an. Weil fast alle Mitspieler studierten, wurde der Name »Akademisches Blasorchester« ausgewählt, obwohl es keine organisatorische Anbindung an eine der Münchner Universitäten gab.

Nach einem guten Jahr regelmäßiger Probenarbeit und einigen kleinen Auftritten zeigte sich, dass die gefundene Struktur auf lange Sicht nicht funktionstüchtig war: Da die meisten Mitspieler für eine wöchentliche Probenteilnahme zu beschäftigt waren und es an klaren Zielen fehlte, schlief der Probenbetrieb zunächst wieder ein.

Wiederbelebung im Jahr 1978

Michael Kummer fand sich mit dem Scheitern nicht ab und setzte von vorneherein – nun als Dirigent und Organisator in einer Person – mit der Anmietung des Konzertsaals der Musikhochschule für ein Konzert zu Beginn des Sommersemesters 1978 ein klares Ziel. Mit einem kompakten Probenplan und vielen persönlichen Kontakten gelang es ihm, die benötigten Spieler aufzutreiben.

Weil die Zeit zur Bewerbung des Konzerts aber sehr kurz war, ließ die Zahl der Konzertbesucher zu wünschen übrig, sodass Kummer am Ende Verbindlichkeiten im hohen dreistelligen D-Mark-Bereich tragen musste, die für ihn als Student sehr schmerzlich waren.

Auch sein zweiter Versuch, mit dem ABO ein Konzert zu veranstalten, war nicht von Erfolg gekrönt: Obwohl der Konzertsaal fest angemietet war, stand er dann zum Termin doch nicht zur Verfügung, sodass die erschienenen Konzertbesucher an der Saaltür wieder nach Hause geschickt werden mussten.

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