Darf man oder darf man nicht... - Partituren ohne Vortragsbezeichnung – eine besondere Herausforderung für Komponist und Dirigen

Ich beende mein Dirigat mit einem mir nicht bekannten Blasorchester. Standing Ovation, Gratulation des Komponisten...Ein Blick in die Partitur, die ich nur als Sicherheit auflegte...Mit Schrecken stelle ich fest,es sind gar keine Hinweise auf Tempo, Dynamik, Artikulation etc. eingetragen...und erwache.

An diesem Morgen erinnerte ich mich an ein Gespräch mit meinem österreichischen Kollegen, Wolfgang Marksteiner, Bezirkskapellmeister und Dirigent der Bundesmusikkapelle Brandenberg/Tirol. Bei jedem Musikstück, das er mit seiner Kapelle einstudiert, wird vorerst einmal durch-musiziert, damit die Akteure die Gelegenheit haben, sich in das Stück »einzuleben« und dabei herauszufinden, wie das Werk erklingen sollte. Sie sollen selber erkennen, wie und was der Komponist aussagen will. Erst dann geht er ins Detail. Die Erfolge bestätigen sein Vorgehen.

 

  • 21.09.2011
  • Praxis
  • Alois Brandenberg
  • Ausgabe: 7-8/2002
  • Seite 18 - 19

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