Dana Jessen: Das Fagott im Rampenlicht

Neue Musik fürs Fagott! Dana Jessen ist derzeit die erfolgreichste Kämpferin für ihr Instrument. Die 32-jährige Fagottistin gründet neue Ensembles, improvisiert in experimentellen Kontexten und macht spannende Auftragswerke möglich.

Am Oberlin Conservatory of Music (Ohio) leitet Dana Jessen ein Büro für »professional development«. Dort bringt sie den Studenten bei, sich selbst auf dem Markt richtig zu positionieren: mit ausformulierten Lebensläufen, eigener Website, Kooperationen, Bewerbungen um Förderungen und Praktika.

Dana Jessen glaubt an die Zukunft des Fagotts

Dana Jessen ist selbst das beste Beispiel für funktionierendes »networking« und »self-promoting«. Die junge Fagottistin arbeitet längst rund um den Globus mit renommierten Orchestern und Kammerensembles und leitet Meisterklassen und Workshops an etlichen Universitäten.

Sogar mit Freejazz-Musikern und Elektronik-Spezialisten tritt sie auf – wo man ein Fagott nicht gerade erwarten würde. Dana Jessen glaubt an die Zukunft ihres Instruments: »Das Fagott kann eine starke Kraft in der zeitgenössischen Musik sein.« Dutzende neuer Kompositionen für Fagott hat sie bereits angeregt. »Fagottisten überall auf der Welt können dem Schicksal dankbar sein, dass es Dana Jessen gibt«, schreibt der Journalist Brad Balliett.

Wendepunkt für das Fagott: Michael Gordons »Rushes«

Ihr größter Coup bisher ist Michael Gordons Komposition »Rushes« (2012), ein postminimalistisches, fast einstündiges Werk für sieben Fagottisten – ein faszinierender Psychotrip, ein beispielloses Klangerlebnis, dessen pulsierende Intensität an wandernde Lichtspektren denken lässt. Möglich wurde der Kompositionsauftrag an Michael Gordon durch einen Finanzierungs-Fonds, den New Music Bassoon Fund, getragen von einem Konsortium aus Fagottisten und Fagottfreunden. Natürlich war es Dana Jessen, die dieses Konsortium 2009 initiiert hat, die den Komponisten bei seinem Stück beriet und die eine Fagottisten-Gruppe für die Aufführung zusammenstellte: das Rushes Ensemble.

»Einer meiner ersten Eindrücke von der Partitur war, dass sie aussah wie ein Stück für Perkussion!«, erinnert sich Dana Jessen. »Die Fagottisten spielen kontinuierliche Patterns und Rhythmen, die sich ständig verlängern oder verkürzen. Der Sound reist im Raum herum. ›Rushes‹ ist eine hypnotisierende Komposition. Wir haben jetzt ein Stück im Repertoire, das anders ist als alles, was ­zuvor fürs Fagott geschrieben wurde. ›Rushes‹ ist wahrlich ein Wendepunkt fürs Fagott.«

  • 23.06.2015
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 7-8/2015
  • Seite 52-54

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