corvus corax - rockmusik des mittelalters mit dudelsack als e-gitarre

Das Licht wird gedämmt, Kunstnebelschwaden steigen auf, acht auffällig gewandete Gestalten betreten die Bühne. Sie gehen in Position und stimmen einen mystischen Gesang an. Es folgen dröhnende Dudelsäcke, wummerndes Schlagwerk. Es ist laut, energisch, dennoch melodisch - und eh man sich versieht, wippt man den eingängigen Rhythmus mit. Live - da besteht überhaupt kein Zweifel - ist "Corvus Corax" immer noch am besten.

Schon nach einigen wenigen Takten hat die Berliner Band das Publikum auf ihrer Seite, sicherlich ein Publikum dem diese Band bestens bekannt ist von mittlerweile zwölf Longplayern, unzähligen Konzerten und mittelalterlichen Festen. "Einige verrenken und verzerren ihre Körper in törichten Sprüngen und mit ebenso törichten Handbewegungen, oder indem sie sich in abstoßende Gewänder kleiden, und all diese Menschen sind zu verdammen, wenn sie nicht von diesem Tun ablassen." Ganz so schlimm, wie die Kirche das im Mittelalter sah (zitiert nach Möller/Stephan, Die Musik des Mittelalters, Seite 222), ist das Treiben heutzutage nicht mehr. Doch möglichst stilecht soll es schon sein, denn "Corvus Corax" macht "mittelalterliche Rockmusik".

 

  • 21.09.2011
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 2/2003
  • Seite 36-37

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