Circus Maximus - Glorreiche Barbarei

John Corigliano musste fast 65 Jahre alt werden, um sein erstes wirklich originales Werk für Blas­orchester zu schreiben. Der 1938 geborene New Yorker Komponist hat zwar in den 70er Jahren seine Suite für Klavier zu 4 Händen »Gazebo Dances« im Nachhinein auch für Blasorchester instrumentiert, aber er gibt gerne zu, ein wenig Berührungsängste mit dieser Besetzung gehabt zu haben. »Das Schreiben für ­Sinfonieorchester war für mich immer etwas angenehmer. Der Anblick einer Blasorchester-Partitur mit extrem vielen Systemen und transponierenden Instrumenten macht mir immer noch Angst.«

Ganz anders ist Coriglianos Verhältnis zum Blasorchester »in action«. Der Besuch eines Konzerts sei für ihn stets berauschend, erklärt er. Wer neu in die Szene kommt, der realisiere schnell, dass zumeist zeitgenössisches Repertoire gespielt wird. Daher erwarte das Publikum immer wieder auch neue Werke. In einer Umgebung, die von der Presse weitgehend ignoriert wird, würden die Zuhörer ihren eigenen Ohren vertrauen und direkt auf das reagieren, was sie hören. Und dann folgt ein besonderes Lob für die Musiker: »Am wichtigsten ist aber, dass die Blasorchester enorme Mengen an Probezeit über mehrere Wochen – nicht nur Tage – investieren, um ausgiebig die schwierigsten Partituren einzustudieren.« Die Komposition von »Circus Maximus« mit der Mischung aus neuen Notationstechniken und räumlichen Herausforderungen habe nur unter diesen Rahmenbedingungen in Angriff genommen werden können.

  • 21.01.2013
  • spielBAR
  • Joachim Buch
  • Ausgabe: 2/2013
  • Seite 54-57

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