Cicero sings Sinatra: "Er phrasierte wie ein Gott"

  • 22.12.2015
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2016
  • Seite 48-49

Einhundert Jahre alt wäre er geworden, Francis Albert »Frank« Sinatra, der US-amerikanische Sänger, Schauspieler und Entertainer. Man nannte ihn »Ol’ Blue Eyes« oder »The Voice«. Seine musikalische Karriere startete er bereits in der Swing-Ära als Sänger in den Orchestern von Harry James und Tommy Dorsey. Mit Dean Martin und Sammy Davis Jr. führte er das »Rat Pack« zu Weltruhm. Sinatra erhielt einen Oscar als Bester Nebendarsteller für den Film »Verdammt in alle Ewigkeit«. Frank Sinatra gilt zudem als eine der einflussreichsten und bekanntesten Persönlichkeiten der Popmusik des 20. Jahrhunderts.

Cicero sings Sinatra: Ein ganz persönlicher Blick

Nun, zum 100. Geburtstag, tauchen so einige CDs, Projekte und Hommagen auf. Auch Roger Cicero nimmt sich Frank Sinatra an. Auf seine eigene Weise: »Es ist mir wichtig, deutlich zu machen, dass es mir nicht darum geht, Frank Sinatra zu imitieren, das können andere besser«, sagt er. »Mein Wunsch ist es vielmehr, dem Publikum losgelöst vom Original meinen ganz persönlichen Blick auf Sinatra zu gewähren.«

Die Bewunderung für Sinatra hat Roger Cicero geprägt, seit ihm ein Kommilitone während seines Studiums in Hilversum Sinatras »At the Sands« vorspielte. Die wunderbar aufs Wesentliche reduzierte Bigband-Umsetzung der Stücke, die virtuosen Phrasierungen, das exzellente Timing hat ihn beeindruckt, ja fast umgehauen. Es groovte so viel mehr als alles, was er bisher von ihm kannte! Er hörte das Album monatelang immer und immer wieder und bis heute gehört es zu seinen liebsten und inspirierendsten Aufnahmen.

Am 12. Dezember wäre Frank Sinatra 100 Jahre alt geworden. Sie gehen nun mit ­einem Sinatra-Programm auf Tour: Was ist so faszinierend an Frank Sinatra?

Frank Sinatra war ein außergewöhnlicher Künstler und er hat den Bigband-Swing mit seinem Schaffen total geprägt. Bei so einem Geburtstag, so einem Jubiläum, war das natürlich ein willkommener Anlass, sich diesem Repertoire zu widmen.

Theoretisch könnte man jetzt Gefahr laufen, Sinatra versuchen zu kopieren. Das ist bei Ihnen aber genau nicht der Fall. Wie sind Sie an Frank Sinatra herangegangen?

Es ging zunächst darum, das Repertoire auszuwählen, immerhin hat Sinatra über 1300 Songs aufgenommen. Ich habe mich erst einmal an meinem Lieblingsalbum von Sinatra, »At the Sands«, orientiert.

Wahrscheinlich hat jeder andere Songs von Sinatra im Kopf. Es sind auf jeden Fall sehr viele Titel auf der Liste gelandet, die letztendlich um einige Songs gekürzt werden musste. Ich habe das sehr aus dem Bauch heraus entschieden, denn sonst ist die Gefahr groß, dass man sich verzettelt.

Im Anschluss wurden die Songs neu arrangiert. Wir mussten die Entscheidung treffen, welche Stücke stark verändert werden und welche mehr oder weniger im Original bleiben sollen. Und dann ging es an die Arrangier-Arbeit...

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