Christoph Moschberger hat das letzte Wort

Christoph Moschberger (Foto: Felix Groteloh)

Ob mit den Egerländer Musikanten, der Kölschrockband BAP, dem Musikkorps der Bundeswehr, beim VOX-Tauschkonzert oder bei einem seiner zahlreichen Workshops: Es ist schwer, den Trompeter Christoph Moschberger nicht wahrzunehmen. Im Interview sprachen wir mit ihm über drastische Unterschiede zwischen Badenern und Rheinländern, Polka-Kölsch-Rock-Remixe und warum er noch auf eine Anzeige der Jazz-Polizei wartet...

Wann war das letzte Mal, dass du dir gewünscht hättest, einen »ordentlichen Beruf« gewählt zu haben?

Diesen Wunsch habe ich ehrlich gesagt noch nie verspürt. Im Gegenteil! Ich bin sehr glücklich mit meinem Dasein als Berufsmusiker. Was ich daran am wenigsten mag, ist der Teil des Jobs, der einem »ordentlichen« Beruf wohl am nächsten kommt: Buchhaltung, Steuererklärung, Bürokram usw. Als Selbstständiger gehört das aber nun einmal dazu. Nach dieser Fleißarbeit freue ich mich dann aber wieder umso mehr auf meinen eigentlichen Job: Musik machen!

Wann war das letzte Mal, dass du dir Gedanken über den Mentalitäts-Unterschied zwischen Rheinländern und Badenern gemacht hast?

Die Badener, zumindest die aus meiner Heimatregion, sind ja gewissermaßen auch Rheinländer. Süd-Rheinländer sozusagen. Diersheim, das kleine Dorf, aus dem ich stamme, liegt genau wie Köln, die Stadt, in der ich jetzt über zehn Jahre gelebt habe, direkt am Rhein. Das verbindet! Mentalitätsunterschiede habe ich da kaum gespürt. 

Umso drastischer unterscheidet sich dafür die Definition von gutem Bier! Mit Kölsch habe ich mich in all den Jahren nicht wirklich anfreunden können. Da fühle ich mich nach wie vor eher dem badischen Riesling verbunden.

Wann war das letzte Mal, dass du das Überschreiten einer musikalischen Grenze gescheut hast?

Ich weiß, es klingt ausgelutscht, aber ich empfinde bei Musik keine Grenzen. Für mich verschmilzt das alles zu einem großen Ganzen. Was ich jedoch sehr wohl empfinde, ist, ob mich das Gehörte (oder Gespielte) berührt. Danach entscheide ich. In welche Schublade man das dann packen kann, ist mir relativ egal.

Wann war das letzte Mal, dass du etwas Verbotenes getan hast?

Ich nehme ja gerade meine erste Solo-CD auf. Und ich gestehe – auch wenn es dem Jazz-Idiom widerspricht –, ich habe manche Solos nicht in einem Take eingespielt, sondern auch mal geschnitten oder dezent verschönert. Auf die Anzeige der Jazzpolizei warte ich noch... (lacht)

Wann war das letzte Mal, dass du von einem Workshop-Teilnehmer mehr gelernt hast als der von dir?

Ein konkreter Fall fällt mir da spontan zwar nicht ein, aber grundsätzlich lerne ich bei den Workshops und deren Vorbereitung immer dazu. Mein Ziel ist es, die spieltechnischen Zusammenhänge und Erklärungen in möglichst einfache, verständliche Worte zu fassen. 

Da mache ich mir dann auch Gedanken über vermeintlich ganz einfache Dinge, die aber eben nicht für jeden Trompeter selbstverständlich sind oder durch Talent in den Schoß fallen. Diese Rückbesinnung auf einfachste bläserische Grundlagen bringt mir dann auch mehr Sicherheit im eigenen Spiel.

Wann war das letzte Mal, dass du noch »Verdamp lang her« im Ohr hattest, als schon »Egerland – Heimatland« auf dem Notenpult lag?

Das Gegenteil war der Fall! Während der langen Tour mit BAP im letzten Jahr habe ich die freie Zeit tagsüber oft genutzt, um neue Stücke zu schreiben. Komischerweise war ich da meist in »Blasmusikstimmung«. Es entstanden also in erster Linie Polkas, Walzer, Märsche. 

Da kam es dann schon immer mal wieder vor, dass in meinem Kopf noch die eine oder andere Polka-Melodie herumgespukt hat, während ich mit Kölsch-Rock-Songs auf der Bühne stand. Gut, dass nur ich diesen »Remix« gehört habe. Beides zusammen hätte sich sicher lustig angehört!

Wann war das letzte Mal, dass du einen Rat von Georg Weyerer beherzigt hast?

Georg Weyerer war ein harter Knochen und ein Verfechter der »alten Schule«. Und ein Perfektionist. Diese Eigenschaft wird auch mir nachgesagt. Manchmal sicher zum Leid meiner Mitmusiker... (lacht) Vielleicht habe ich mir das von ihm abgeschaut?

Wann war das letzte Mal, dass du bei einem Konzert der Blassportgruppe warst?

Mein letztes Konzert der Blassportgruppe war tatsächlich auch mein letzter Auftritt mit der Band vor fast vier Jahren. Seither habe ich es leider noch nicht zu einem ihrer Gigs geschafft. Ich treffe die Jungs aber im Mai beim Deutschen Musikfest in Osnabrück. Dort spiele ich als Solist mit dem Musikkorps der Bundeswehr und die Blassportler geben auch ein Konzert. Ich freue mich auf das Wiedersehen!

Wann war das letzte Mal, dass du dich selbst gegoogelt hast?

Das war vor ein paar Tagen. Ich weiß, es ist auf eine Art verpönt, sich selbst zu googeln, aber ich gebe offen zu, dass ich das regelmäßig tue. Ich bin ja durchaus aktiv im Netz, mit meinen Video-Clips etc. Da möchte ich natürlich am Ball bleiben und sehen, was so passiert mit dem Material und rundherum. 

Am meisten freut es mich aber, wenn ich dabei nicht meine eigenen Sachen entdecke, sondern Videos von anderen Musikern, die meine Stücke nachspielen, wie die Duos mit Albert Wieder und Alex Wurz! Es ist schön zu sehen, dass man andere, oft auch sehr junge Musiker motivieren kann, ihr Instrument zu spielen.

Wann war das letzte Mal, dass du in Südafrika warst?

Das war ziemlich genau vor einem Jahr. Beim Dreh zur vergangenen Staffel von »Sing meinen Song«. Die Sendung gibt es ja nun schon seit fünf Jahren und aus dem Trip nach Kapstadt ist ja erfreulicherweise eine alljährliche Klassenfahrt geworden. 

Ich habe mich schon regelrecht daran gewöhnt, mitten im kalten deutschen Winter ein paar Wochen Sonne in Südafrika zu tanken. Das tut immer wieder gut, auch wenn die Produktionstage während den Aufzeichnungen sehr lange und ziemlich anstrengend sind. Aber die Fototapete macht da vieles wieder wett!

Wann war das letzte Mal, dass du in einem Blasorchester mitgespielt hast?

Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern, wann ich zum letzten Mal in den Reihen eines Blasorchesters saß. Wahrscheinlich bei einem der Konzerte mit meinem Heimat-Musikverein vor vielen Jahren. Dafür darf ich mittlerweile öfter als Solist vor dem Orchester Platz nehmen. 

Ich stehe sehr auf den Klang eines sinfonischen Blasorchesters und freue mich schon auf die kommenden Solokonzerte, unter anderem mit dem Musikkorps der Bundeswehr, dem besten Orchester dieser Art, das ich kenne. Wenn die loslegen, ist das ein Wahnsinns-Sound!

Wann war das letzte Mal, dass du in Diersheim warst?

Das war an Weihnachten. Die Feiertage mit meiner Familie in der Heimat zu verbringen hat Tradition und ist für mich selbstverständlich. Ich war die letzten Jahre immer bis kurz vor Weihnachten auf Tour. Daher genieße ich die ruhige Zeit danach besonders! Ich kann mir auch nicht vorstellen, über die Feiertage zu verreisen und Weihnachten irgendwo am Strand zu verbringen. In dieser Hinsicht bin ich ganz altmodisch... (lacht)

Wann war das letzte Mal, dass du dir wünschtest, in einer anderen Zeit/Epoche geboren worden zu sein?

Immer wenn ich alte Platten aus den 1960/70ern höre. Seien es Egerländer-Aufnahmen von Ernst Mosch oder Bigband-Nummern von Count Basie. Da verspüre ich sofort den Wunsch, einmal Platz nehmen zu können in den Reihen dieser legendären Bands. Diese Musik hat eine unbändige Energie! Die würde ich gerne mal am eigenen Leib spüren.

Wann war das letzte Mal, dass jemand meinte: Seit Ernst Hutter die Egerländer Musikanten übernommen hat, müsstest du eigentlich »Hutterberger« und nicht mehr »Moschberger« heißen?

Diesen fulminanten Gag höre ich tatsächlich zum ersten Mal!

  • 12.06.2019
  • Das letzte Wort
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 3/2019
  • Seite 64-65

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