Charles Koechlin und die Holzbläser: Ein Komponist der Zukunft

  • 07.11.2017
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 11/2017
  • Seite 44-45

Er galt als Eklektiker und Außenseiter, aber auch als Zauberer und »Musiker der Zukunft«. Fest steht: Charles Koechlin erschloss der Musik neue Klang-Erlebniswelten. György Ligeti nannte ihn »das wichtigste Bindeglied zwischen Debussy und Messiaen«. Vor 150 Jahren wurde Charles Koechlin in Paris geboren.

Vom Naturwissenschaftler zum Musiker

Eigentlich war alles ganz anders geplant. Charles Koechlin [keklɛ̃] sollte Naturwissenschaftler werden, ein Erfinder, ein Techniker – denn das war so üblich in seiner Familie. Er begann ein Studium an der Pariser École Polytechnique, der Elite-Hochschule für angehende Ingenieure. Zu seinen Stärken gehörten Mathematik und ­Astronomie – doch dann erkrankte Charles an Tuberkulose.

Er musste sein Studium unterbrechen und konnte später das Versäumte nicht mehr aufholen. Mit 22 Jahren wechselte er daher aufs Pariser Konservatorium – auch die Musik gehörte zu seinen Leidenschaften.

Er wurde Student in der Kompositionsklasse von Jules Massenet, die 1896 von Gabriel Fauré übernommen wurde. Zu Koechlins Kommilitonen gehörten Maurice Ravel, George Enescu, Florent Schmitt – und auch Jean Roger-Ducasse, der später Debussys »Rapsodie« (für Saxofon und Orchester) ausschreiben sollte.

Entdeckungsreisen in die geheimnisvolle Welt der Töne

Auch als Musikstudent blieb Charles Koechlin (1867 bis 1950) in gewisser Weise ein Ingenieur und Entdecker. Er träumte von den neuen Möglichkeiten fortgeschrittener harmonischer Techniken. Die Innovationen von Wagner und Debussy inspirierten ihn auf ganz ähnliche Art, wie es Jules Vernes Zukunftsromane taten.

»Es gab ganz ungewöhnliche Einblicke in die geheimnisvolle Welt der Töne – vergleichbar den Entdeckungsreisen in einen unerforschten Urwald«, schrieb Koechlin. »So jedenfalls stellte sich für uns die Musik der Zukunft dar. Diese Einsichten, diesen Wunsch nach Übertretung der alten Regeln, diese neuen Klangentdeckungen fanden wir vor allem bei einem merkwürdig-mysteriösen Kollegen: Claude Debussy.«

Anfangs kannte Koechlin von dem fünf Jahre älteren Debussy nur das Lied »Mandoline«: »In diesem Lied gibt es zu Beginn ein paar modulierende Akkorde, die mir alle Arten von Modulationsmöglichkeiten erschlossen. Manchmal reicht ein einziger Takt eines genialen Kollegen aus, um uns das Tor zu den verzauberten Gärten zu öffnen, in denen wir dann vielleicht ganz andere Blumen als er selbst pflücken dürfen.«

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