Céline Bonacina - Ein leichtes, schweres Instrument

Die Île de la Réunion, eine kleine Insel inmitten des Indischen Ozeans, hat ihr Leben verändert, sagt Céline Bonacina. Die »Insel der Zusammenkunft«, so die deutsche Übersetzung, hat sie zu sich selbst gebracht. Dort hingezogen ist sie als irgendjemand, der Saxofon spielt. Zurückgekehrt ist sie als ein völlig anderer Mensch – als Céline Bonacina.

Studiert hat die heute 35-jährige Französin klassisches Saxofon in Belfort, Besançon und Paris. Schon früh gewann sie zahlreiche Preise für ihr Saxofonspiel. Nach der Universität folgte sie dem Ruf ins Départe-ment d’outre-mer, ins französische ÜberseeDépartement östlich von Afrika. Gekommen war sie als Saxofonlehrerin, um dann aber selbst eine ganze Menge zu lernen.

»Die Insel ist ein riesiger Schmelztiegel, was die Bevölkerung angeht«, schwärmt Céline Bonacina, »und damit natürlich auch in musikalischer Hinsicht.« Die Wurzeln der Bewohner liegen in Afrika, in Indien, auf Madagaskar und in Frankreich. Und die Einflüsse schlagen sich in der Musik nieder. »Wenn man zusammenlebt, dann ist die Musik jeder Richtung unheimlich inspirierend. Für mich ist vor allem der Rhythmus wichtig. Und von dem gibt es auf der Insel reichlich.« Mit enormer Komplexität zu spielen, aber gleichzeitig stets die Erdung in einem starken Groove mit packenden, fast tanzbaren Rhythmen zu behalten – das macht die Anziehungskraft und Emotionalität der Musik auf ihrem aktuellen Album »Way of Life« (ACT) aus. Lernen kann man das nicht. Zumindest nicht, indem man irgendwelche Bücher darüber liest oder Vorlesungen besucht. Lehren tut einen das Leben. Und Céline Bonacina lebt die Musik.

  • 21.09.2011
  • Porträt
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 10/2010
  • Seite 41

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