Canadian Brass: Chuck Daellenbach im Gespräch

  • 30.09.2016
  • Szene
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 10/2016
  • Seite 56-58

Der Brunnenhof der Münchner Residenz bildete den imposanten Rahmen Eines beeindruckenden Konzerts von »Canadian Brass«. Kurz vor dem Konzert nahmen Chefredakteur Klaus Härtel und Tubist und Ensemblegründer Chuck Daellenbach auf der Bühne platz. Die Regentropfen störten das Gespräch nicht. Beim Foto Nach dem Interview lachte wieder die Sonne. Und mit einem Lächeln auf den Lippen gingen am späten Abend auch die Zuschauer nach Hause.

Chuck Daellenbach, stimmt es, dass Ihre Vorfahren aus Europa stammen?

Ja, mein Großvater war Schweizer und meine Großmutter kam aus der Nähe von Hannover. Sie sind nach Amerika ausgewandert.

Wie steht’s denn um Ihr Deutsch?

(auf Deutsch) Ich kann Deutsch, aber es klingt nicht so … intelligent?

Ok. Sprechen wir auf Englisch über Ihr Ensemble »Canadian Brass« – was macht das Ensemble so besonders?

Blechbläser sind wunderbar geeignet, die klassische Musik in eine neue Ära zu begleiten. Gerade im heutigen elektronischen Zeitalter ist Blech ein sehr unmittelbarer Klang, der dich emotional packt. Vor diesem Hintergrund haben wir uns das Gesamtpaket eines Konzerts angeschaut. Wir praktizieren die Musik wie es auch ein Streichquartett macht. Wir haben dann die Möglichkeiten zwischen den Stücken gesucht. Deshalb ist unsere Präsentation so speziell!

Also liegt der Humor nicht innerhalb der Musik, sondern in der Präsentation.

Genau. Am Anfang war ein Konzert vor allem die Chance, Bach und Händel zu spielen und später auch neues Blechbläserrepertoire. Aber wir mussten Konzerte geben, die so interessant waren, dass wir Publikum gewinnen würden.

Wie spontan sind denn diese Präsentationen und die musikalischen Darbietungen eigentlich?

Alles hat auf einem sehr spontanen Level angefangen. Aber wir haben immer versucht, die beste Unterstützung zu bekommen. Heute Abend zum Beispiel präsentieren wir ein Ballett. Wir haben also im Vorfeld befreundete Ballett-Tänzer um Rat gefragt, die uns Positionen und Tanzschritte beigebracht haben. Wir versuchen also eigentlich nie, witzig zu sein. Wir geben unser Bestes, um authentisch zu sein – was dann möglicherweise komisch aussieht. (lacht)

Sie haben tausende von Konzerten in der ganzen Welt gegeben. Wenn Sie daran denken – gibt es welche, die aus der Masse besonders herausstechen?

Es gibt ein paar Eckpunkte unserer Karriere, die man als entscheidende Momente bezeichnen könnte. Ein erstes wichtiges Ereignis war unsere Reise nach China im Jahr 1977. Wir wurden von der kanadischen Regierung geschickt, um Kanada zu vertreten. Da zu der Zeit auch US-Amerikaner nicht einfach nach China reisen durften, haben wir also ganz Nordamerika repräsentiert. Das war das erste Mal, dass ein Ensemble so hohe internationale Aufmerksamkeit als kultureller Botschafter bekam.

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