Blasen in der Kammer - Das klassische Bläserquintett

  • 19.02.2013
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 3/2013
  • Seite 44-45

Traditionellerweise findet Blas­musik unter freiem Himmel statt. Doch mit dem Aufkommen der bürgerlichen Salons im 19. Jahrhundert entstand der Wunsch nach geblasener Kammermusik. Der böhmische Musiker Anton Reicha hatte die zündende Idee.

Noch in der Renaissance unterschied man streng zwischen der »lauten« Bläser- und Trommelmusik bei Turnieren und Festlichkeiten (»Alta Capella«) und der in geschlossenen Räumen erklingenden Saiten- und Vokalmusik. Eine Vermischung dieser beiden Sphären schien ganz ausgeschlossen. Glücklicherweise war auch das Freiluft-Publi­kum musikalisch anspruchsvoll und erwartete von den Bläsern auf Dauer doch ein wenig mehr als nur laute Fanfaren. So entwickelte sich das Konzept einer Ensemble-Musik, in der sich die einzelnen Bläserstimmen klanglich sanft vermischen. Die türkische Oboe war dafür nicht geeignet, wohl aber die von ihr abgeleitete, ge­streckte, weicher tönende Schalmei, die gleich in mehreren Größen gefertigt ­wurde: als Familie der »Pommer«. Auch die Zugposaune, die Zugtrompete, der Zink (ein Blechblasinstrument mit Grifflöchern) oder der Dulzian (ein tiefer, mehrfach gebohrter Pommer) passten gut in einen ­Ensemble-Klang. 

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