Bläsersinfonik - Gattungsbegriff oder Gestaltungsprinzip in der Blasmusik?

  • 17.01.2012
  • Szene
  • Stefan Fritzen
  • Ausgabe: 2/2012
  • Seite 32-33

Seit einigen Jahrzehnten werden in der deutschen Blasmusikszene die Begriffe »Bläsersinfonik« oder »sinfonische Blasmusik« gern gewählt, um mit ihnen ein scheinbar besonderes Konzept der musika­lischen Arbeit zum Ausdruck zu bringen.

Sinfonische Blasorchester sind wie Pilze aus dem Boden geschossen, ohne dass in der Fachwelt eine wirkliche Diskussion über Formen und Inhalte der mit diesen Be­griffen charakterisierten Orchester und Programme geführt worden wäre. 

Eingefleischte traditionelle Blasmusikfreaks rümpfen oft die Nase über die scheinbar in der klassischen Musik erfolg­losen Instrumentalisten und Dirigenten, die durch den Begriff »Bläsersinfonik« ein Wertigkeits- und Emanzipationsproblem zu kompensieren versuchen. Die Verfechter der »sinfonischen Blasmusik« verweisen hingegen gern auf die flächendeckende Breitenwirkung musik- und kulturerzieherischer Bemühungen in der »Philharmonie des kleinen Mannes«, dem Blasorchester. 

 

Der Autor:

Stefan Fritzen beendete 1962 sein Studium an der Ostberliner Hochschule für Musik. Bereits ein Jahr vor seinem Abschluss wurde er Soloposaunist des Berliner Sinfonie­orchesters, dem er bis 1974 angehörte. Für seine herausragenden Leistungen wurde er 1967 zum Kammermusiker und 1971 zum Kammervirtuosen ernannt. Zwischen 1973 und 1980 war er darüber hinaus Soloposaunist der Staatskapelle Dresden.

Seit 1980 widmete sich Stefan Fritzen vor allem der musikpädagogischen Arbeit. Er unterrichtete hohes und tiefes Blech an verschiedenen Musikschulen und förderte besonders begabte Schüler. Daneben war er als Dozent für die Aus- und Weiter­bildung von Musikschullehrern und Orchesterleitern tätig und leitete verschiedene Orchester, Kammermusikgruppen und Jugendensembles.

Nach seiner Ausreise aus der DDR nahm er die Stelle des Leiters der Fachgruppe Blasinstrumente/Schlagzeug an der Städtischen Musikschule Mannheim an. Neben einem Blechbläserensemble gründete Stefan Fritzen dort ein sinfonisches Blasorchester – den Vorgänger der heutigen Mannheimer Bläserphilharmonie.

Seit seinem Ruhestand 2005 leitet er weiterhin diverse Seminare, ist als Dozent bei Fortbildungen und Symposien tätig und wird häufig in die Jurys nationaler und internationaler Wettbewerbe be­rufen. Darüber hinaus hat Stefan ­Fritzen als Fachmann für die Behandlung spiel­gestörter und spielerkrankter Blechbläser seine heilpädagogischen Erfahrungen in zahlreichen Vorträgen und Aufsätzen weitergegeben. 

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