Bläsermusik von Heitor Villa-Lobos - Tropische Flamme

Pochende Rhythmik, virtuose Bläserkapriolen, musikantische Beschwingtheit: Die Musik von Heitor Villa-Lobos erinnert zuweilen an einen futuristischen Johann Sebastian Bach oder einen brasilianischen Igor Strawinsky. Oder handelt es sich etwa um polytonalen Jazz?

Er konnte gut Geschichten erzählen, be­eindruckte seine Zuhörer mit seinem Enthu­sias­mus, Temperament und Selbstbewusstsein. Das war auch nötig, denn als Komponist blieb er weitgehend Autodidakt und musste sich gegen viele Angriffe von akademisch ausgebildeten Musikern wehren. Dem Vorwurf, seine klassische Schulung sei unzureichend, antwortete er einmal mit der Behauptung, seine künstlerischen Wurzeln in der Alten Welt reichten sogar ganz, ganz weit zurück: »Die assyrischen Epochen, die alten Skulpturen Koreas, der Mystizismus Indiens, die altruistische Liebe im Schönheitskult der Westgoten, die römische Melopeia, die griechische Epopeia, die gregorianischen Abenteuer, die an die Menschheit diese ewige Schönheit des ­Gesangs weitergaben, sie alle haben bestimmte Aspekte meiner Ästhetik stark beeinflusst.« Ob er wusste, wovon er da sprach, ist fraglich. Aber seine Worte machten im Brasilien von 1922 sicherlich Eindruck.

  • 20.09.2013
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 10/2013
  • Seite 48-49

« zurück