bläsergruppe der lebenshilfe - ein weiter weg auf den schwingen des flügelhorns

  • 21.09.2011
  • Mainstory
  • Evamarie Meier
  • Ausgabe: 4/2003
  • Seite 32-35

Der eine kann nicht richtig sprechen; das kann aber sein Tenorhorn. Ein anderer kann Mitmenschen nicht gut ertragen, wohl aber Mitmusiker. Der Dritte hat Muskelkrämpfe – aber niemals während er Tuba spielt. Die Vierte leidet unter Gleichgewichtsstörungen, stellt sich aber mit Klarinette auf jede Bühne; es muss ja nicht direkt vorne am Abgrund sein. Wer von all dem Leiden vieler Kinderjahre hört, aus dem diese 18 geistig oder mehrfach behinderten Bläser/innen sich herausmanövriert haben, der staunt nur noch: über geballte Konzentration und gute Laune auf der Bühne, über Lachen und Geschlossenheit und Können und das Repertoire der »Bläsergruppe der Lebenshilfe Haßberge in Haßfurt«. Indes: Dem Orchester droht im kommenden Jahr das Aus.

Initiator, Gründer und Dirigent Anton Schobert wäre eine rein goldene Tuba zu wünschen oder ein Sechser im Lotto. Mindestens. Er selbst hingegen gibt sich völlig mit dem »Sehr gut« der Juroren vom Bayerischen Blasmusikverband für seine Unterstufenkapelle zufrieden: Die Urkunde vom Wertungsspiel in Bamberg, noch kein Jahr alt, hängt im Musikzimmer der »Schule zur individuellen Lebensbewältigung« neben Fotos von den Highlights der 24-jährigen Geschichte der Kapelle. Eines zeigt sie bei der Papst-Audienz, ein anderes beim damaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

 

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