bigband im blasorchester - kein unüberbrückbarer schritt

Nicht alle Musiker/innen eines Blasorchesters sind begeistert, wenn ein Dirigent mit der Idee um die Ecke kommt, ein Arrangement von Bigband-Musik ins Repertoire zu nehmen. Walter Edelmann, Dirigent des Höchststufenorchesters der Buchloer Stadtkapelle, hat es erst jüngst erfahren, als er Naohiro Iwais »Benny Goodman Memories« ins Programm des Jahreskonzerts integrierte. Immerhin fordert so ein Unternehmen viel – neue Rhythmik, neue Phrasierung, andere Tongebung, andere Artikulation. Sprich: Die Stilistik der swingenden Bigband-Musik entspricht ganz und gar nicht dem, was zum durchschnittlichen Standard in der Blasorchester-Szene gehört. Edelmann sieht es nüchtern: »Es ist ein Experiment. Ein Versuch, den jedes Orchester mit seinem Dirigenten unternehmen sollte. Denn auch aus jedem Scheitern lernt man.« Nur eins vorweg noch: Die Buchloer Stadtkapelle ist nicht gescheitert.

Walter Edelmann ist nicht unbedarft in Sachen Bigband. Er spielte selbst früher Saxofon in einer. Aber: Vom Spieler zum Macher ist ein Schritt, ein weitaus größerer aber noch, nicht bei einer Bigband, sondern einem wesentlich gewaltigeren, in ganz anderen Gefilden heimischen Blasorchester den Taktstock zu schwingen, wenn es swingen soll. Das war Edelmann durchaus bewusst, als er zu Iwais Arrangement griff. Die Struktur seines Konzertprogramms – mit teils kapellenfremden Pauken-, Tuba-, Klavier- und Sopransaxofon-Solisten im ersten Teil, herausragenden Solisten aus den eigenen Reihen im zweiten, deren Parts aber in den Orchesterklang integriert sein sollten – legte den Griff zum Jazzigen nahe. »Und vor allen Dingen: Ich habe mir zugetraut, meinen flexiblen Musiker(inne)n die Stilistik nahe zu bringen.«

 

  • 21.09.2011
  • Sinfonisch
  • Uschi Mohr
  • Ausgabe: 3/2004
  • Seite 22-23

« zurück