Bewegungsfreiheit hat ihren Preis - Über Bläser und ihre Schultergelenke

  • 14.04.2014
  • Praxis
  • Alexandra Türk-Espitalier
  • Ausgabe: 5/2014
  • Seite 12-15

Musiker müssen durch die vorgegebene Spiel­position und das Instru­mentengewicht eine erhöhte Haltearbeit in den Schultern und Armen leisten. Die Schulter ist aber aufgrund ihrer Anatomie hauptsächlich auf Mobilität und weniger auf Stabilität ausgerichtet. Die große Bewegungsfreiheit des Schulter­gelenks lässt sich auch daran erkennen, dass es für einen Menschen kein Problem darstellt, mit dem Arm einen Kreis von 360 Grad zu beschreiben. Wie bewältigt aber nun das Schultergelenk die statische Halte­arbeit beim Musizieren? Welche Spielpositionen sind für Musiker ungünstig und lassen sie sich überhaupt vermeiden? Und welche Übungen helfen zur Präven­tion von Schulterbeschwerden?

Im Gegensatz zu vielen anderen Gelenken fehlt dem Schultergelenk eine knöcherne Umfassung durch eine gewölbte Pfanne. Die Schultergelenkspfanne am Schulterblatt ist nahezu plan und diese Form lässt dem Oberarmkopf viel Spiel und verleiht dem Gelenk seine charakteristisch große Bewegungsfreiheit (siehe Abbildung 1). Die im Positiven hohe Mobilität kann jedoch im negativen Sinne auch als mangelnde ­Stabilität angesehen werden. Wer das Schultergelenk im Raum betrachtet und sich die Wirkung der Schwerkraft dazu vorstellt, fragt sich zu Recht, wie dieses Gelenk überhaupt »zusammengehalten« wird. Hauptverantwortlich für die Stabilität des Schultergelenks ist eine tiefliegende Muskelgruppe, die sogenannte Rotatorenmanschette (siehe­ Abbildung 2). Ihre Muskeln liegen ihrem Namen entsprechend dicht wie eine Manschette um das Gelenk und sind für die Innen- und Außenrotation des Armes sowie für die Zentrierung des Oberarmkopfes in der Pfanne zuständig. So einfach das klingt, so komplex gestaltet sich diese Zentrierung in der Realität. Von den vier Muskeln der Rota­torenmanschette überwiegen zahlen- und kräftemäßig die Innenrotatoren. Damit ist die Gefahr einer muskulären Dysbalance hoch.

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