Bewegt und munter - Die 10 Bläsersonaten von Hindemith

»Das ganze Blaszeug zu besonaten« – so launig beschrieb Paul Hindemith sein Vorhaben. Von 1936 bis 1941 komponierte er für acht verschiedene Blasinstrumente je eine Solo-Sonate mit Klavierbegleitung. Die wichtigsten Bläserstimmen hatte Hindemith damit abgedeckt – aber schließlich fielen ihm doch noch zwei ein: das Althorn (1943) und die Basstuba (1955).

In den Jahren der Weimarer Republik war der hessische Komponist Paul Hindemith (1895 bis 1963) die Galionsfigur der Mu­sik-Avantgarde in Deutschland. Er verblüffte mit neusachlichen Opern-Einaktern (1921/22), vermischte Expressionismus und Jazz, entdeckte den Rundfunk als Medium neuer Musik, leitete jahrelang die Kam­mermusiktage von Donaueschingen und experimentierte als einer der ersten mit mechanischer und elektronischer Klang­erzeugung. Vor allem aber tat sich Hindemith als ein engagierter Vermittler hervor: Er hatte etwas gegen die Kluft zwischen Komponist und Publikum, gegen den elitären Anspruch der Avantgarde. »Gebrauchsmusik« zu schaffen war stattdessen sein Ziel, »Spielmusik«, »Singmusik«. Hindemith profilierte sich als Förderer neuer ­Laien-, Kinder- und Schulmusik – und sein Amt als Musikprofessor in Berlin half ihm ab 1927 bei der Verwirklichung seiner pädagogischen Projekte.

Auch als ausübender Instrumentalist trug Hindemith zur Vermittlung zwischen Komposition und Publikum kräftig bei. Schon 1915 – mit 20 Jahren! – wurde er 1. Geiger und Konzertmeister an der Frankfurter Oper. 1921 übernahm er die Bratsche in dem von ihm selbst gegründeten Streichquartett Amar und danach (1929) in einem international renommierten Streichtrio. Er war außerdem ein hervorragender Pianist und zeigte auch an anderen Instrumenten viel Talent: Autodidaktisch hat er sich praktisch an allen Instrumenten des klassischen Orchesters versucht. In Hindemith schien der universal befähigte Stadtmusiker der Renaissance- und Barockzeit wiederauferstanden. Die stilistischen Rückgriffe des Komponisten auf vorklassische Formen, auf Kontrapunkt, Fuge und Suite sind kein Zufall.

  • 17.01.2012
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 2/2012
  • Seite 52-53

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