Betablocker: Spielst du noch oder dopst du schon?

Betarezeptorenblocker oder kurz Betablocker sind seit über 50 Jahren auf dem Markt und gelten in der Medizin als überaus erfolgreiche Medikamente, auch weil sie neben ihrer Wirkung relativ geringe Nebenwirkungen an den Tag legen.

Doch wie bei jedem Medikament macht die Dosis das Gift – das wusste schon Paracelsus. In Musikerkreisen sind Betablocker ebenfalls angekommen.

Ist das immer sinnvoll? Ein Plädoyer und Aufruf zum Nachdenken.

Heiße Eisen

Betablocker sind heiße Eisen, sicherlich mit die heißesten, die man unter Musikern anfassen kann. Offen redet darüber nämlich fast niemand, zu sehr ist die Medikamenteneinnahme bzw. der Grund dafür Tabuthema. Intern aber scheint es schon fast Normalität zu sein.

Ob Betablocker sinnvoll sind oder nicht? Gibt es dafür eine allgemeingültige Antwort? Ich weiß es nicht. Persönlich würde ich vermuten, dass eine ärztlich betreute, medikamentöse Behandlung bei einem Störungsbild sicher funktional und sinnvoll sein kann.

Dr. Eckart Altenmüller hat in einem CLARINO-Interview vor einiger Zeit einmal gesagt, er sei einer medikamentösen Behandlung von Lampenfieber nicht grundsätzlich abgeneigt. »Denn Betarezeptorenblocker können die körperlichen Symptome der Angst verbessern und so den Teufelskreis zwischen Versagen in der Vorspielsituation und daraufhin verstärkter Vorspielangst unterbrechen.« Aber auch: »Eine langfristige Lösung sind sie meistens nicht.«

An der Ursache wird nicht gearbeitet

Wichtig ist meines Erachtens, dass zusätzlich auch an der Ursache gearbeitet wird. Doch die Realität sieht zumindest in meiner Arbeit mit Musikern – im Schwerpunkt Musikstudenten – komplett anders aus.

Medizinische Betreuung ist extrem selten. Oft besorgen sich Musiker die Tabletten im Internet oder bekommen von Kollegen auch mal welche weitergegeben. Zu groß scheint immer noch die Hemmschwelle, zum Arzt zu gehen und sein Problem zu offenbaren.

  • 02.07.2019
  • Praxis
  • Mona Köppen
  • Ausgabe: 7-8/2019
  • Seite 12-13

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