Beim Schöpf gepackt - Wenn Wissen hörbar wird

Blasorchester sind keine Historikervereine. Und so löblich es ist, sich mit den Geschehnissen der Vergangenheit auseinanderzusetzen, der gute Ruf der Bläsermusik wird nicht dadurch wiederhergestellt, dass die Klarinettisten eines Orchesters sämtliche Kaiser des Heiligen Römischen Reiches auswendig herunterbeten können. Die Entscheidung, wie das Genre in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, fällt immer noch auf der Bühne und über die Musik.

Wie dramatisch Veränderungen, die aus historischen Erkenntnissen entspringen, ausfallen können, weiß allerdings jeder, der sich ein wenig mit der »Alte-Musik-Be­we­gung« beschäftigt hat. So gehörte es vor 50 Jahren noch zum Standard, Bach und Händel mit spätromantischen Orchestern und riesigen Chören aufzuführen, was zu einem Klangbrei führte, der der deutschen Romantik eher entsprach als der Barockzeit, die sich gegenreformatorisch gegen die Renaissance stemmte und zugleich den wissenschaftlichen Fortschritt vorantrieb.

  • 19.11.2013
  • Kolumne
  • Alois Schöpf
  • Ausgabe: 12/2013
  • Seite 43

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