Beim Schöpf gepackt - Profis, Lehrer, Amateure

Ein groteskes Merkmal zumindest der öster­reichischen Blasmusikszene besteht in ihrer Titelsucht. Wenn man etwa das ­Impressum einschlägiger Presseorgane studiert, glaubt man sich vor staatlich abgestempelter Intelligenz kaum noch retten zu können: Da entfallen auf 10 Personen 5 Doktoren, 4 Magister, 5 Professoren, 2 Präsidenten und 1 Hofrat. Endgültig aberwitzig wird es, wenn solche echten oder oft auch nur gymnasial angemaßten Selbst­erhöhungen ihren Weg auf ein CD-Cover oder auf die Konzerteinladungen finden, als ob der Nachweis, über ein meist ab­wegiges Thema des akademischen Betriebes 200 Seiten gefüllt zu haben, auch nur irgend­etwas damit zu tun hätte, einem Orches­ter herzbewegende Musik zu ent­locken.

www.aloisschoepf.at

  • 19.04.2012
  • Kolumne
  • Alois Schöpf
  • Ausgabe: 5/2012
  • Seite 35

« zurück