Beim Schöpf gepackt - Für Städter den Landdeppen spielen!

Wenn es das Thema der letzten beiden Artikel war, zu begründen, weshalb sich Blas- und Bläsermusik so schwer tun, als ernst zu nehmende Kunstform in den Medien wahrgenommen zu werden, so soll diesmal über jene Formationen nachgedacht werden, die es immerhin mit ihrer Kunst ins Leitmedium Fernsehen geschafft haben. Dabei sind mitnichten, wie vielleicht zu erwarten, jene bedauernswerten Musikkapellen gemeint, die bei Frühschoppensendungen den trachtlerischen Aufputz zu Bier und flachköpfigen Moderationen abgeben. Aber auch nicht Sendungen wie der Musikantenstadl, durch dessen Schlagerödnis Playback spielende Älpler marschieren und damit immerhin noch an Komponisten erinnern, denen geniale Melodien eingefallen sind.

Nein, diesmal soll von jenen Kabarettsendungen die Rede sein, die als Billigformate immer öfter die Spätabendtermine der Fernsehkanäle besetzen. In mäßig großen Sälen sitzen zum Kampflachen entschlossene Städter, die es nicht selten vom Land in einen Bürokratentempel in der City geschafft haben, und hauen sich ab vor Begeisterung, wenn ihnen auf der Bühne vorexerziert wird, wie blöd, spießig, kleinbürgerlich und faschistisch diejenigen sind, von denen sie abstammen.

Infos: www.aloisschoepf.at

  • 27.10.2011
  • Essay
  • Alois Schöpf
  • Ausgabe: 11/2011
  • Seite 29

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