Beim Schöpf gepackt - Es geht nicht um Krieg, sondern um Show

Die Ansicht, wonach der Krieg der Vater ­aller Dinge sei, ist zum Glück nicht aufrecht zu erhalten. Das Menschenbild, das sich aus einer solchen Sicht der Geschichte ergäbe, könnte Depressionen auslösen. Dennoch ist es unzweifelhaft, dass viele Errungenschaften des modernen Fortschritts – vom Radar bis zur Nutzung der Atomkraft – durch die Kriegswirtschaft entstanden sind und jemand, der auf alles verzichten wollte, ­dessen Entstehungs­geschichte nicht den Grundsätzen des politisch korrekten Pazifismus entspricht, wie ein edler, aber unge­waschener Wilder dahinvegetieren müsste.Unerträglich wäre musikalisch auch der Verzicht auf den Marsch, den kriegerischsten Anteil an der Musik. Seine Herkunft ergibt sich schon aus dem Wort, in dem der Name des römischen Kriegsgottes Mars enthalten ist. Die Nähe zum Martialischen und Kriegerischen ist es auch, die aus den meisten Marschausrückungen heutzutage eine Verpflichtung macht, welche die Musiker, wenn sie schon sein muss, eher lieblos und ohne viel Vorbereitung über sich er­gehen lassen. Exerzieren, Marschieren, ohne Widerrede folgen, laute Kommandos ent­gegennehmen und kollektives Habt-Acht-Stehen, das alles ist im Zeitalter der Selbst­verwirk­lichung nicht gerade beliebt. Und, um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Das ist auch gut so!

Infos: www.aloisschöpf.at

  • 21.09.2011
  • Essay
  • Alois Schöpf
  • Ausgabe: 7-8/2011
  • Seite 29

« zurück