Beim Schöpf gepackt - Die Kunst des Abschiednehmens

  • 24.11.2014
  • Kolumne
  • Alois Schöpf
  • Ausgabe: 12/2014
  • Seite 37

Dem legendären Landeshauptmann von Tirol Eduard Wallnöfer wird der lapidare Satz zugeschrieben: Es ist leichter, ein Geschäft anzufangen, als damit aufzuhören! Und obgleich sich die Erkenntnis bei Wallnöfer auf die Politik bezog, deren größte Katastrophen meist von Leuten verantwortet werden, die es nicht rechtzeitig lassen konnten, so gilt sie natürlich auch für Musikvereine, deren Aufzeichnungen immer wieder von missglückten Abschieden und Verletzungen buchstäblich in der letzten Minute berichten.

Wenn ein Kapellmeister oder ein Obmann ihr Amt nach 10 bis 20 Jahren zur Ver­fügung stellen, geht für sie eine Lebens­periode zu Ende, was schon für sich allein nicht leicht zu bewältigen ist, weil damit in Erinnerung gerufen wird, dass man altert und einmal sterben muss. Etwas sein zu lassen bedeutet, auf etwas zurückzublicken und dabei zwangsläufig die Frage zu stellen, ob das Geleistete den Einsatz an Lebenszeit und Mühen wert war.

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