Beim Schöpf gepackt - Das Fest als Geldmaschine

An den Säulen der Straßenlaternen hängen Plakate, die zum Musikfest nach Hintervorderdorf einladen. Sollte man wieder einmal hingehen? Angesichts der Frage werden nostalgische Erinnerungen wach. Und zugleich Unlustgefühle. Denn was waren diese Musikfeste einst? Und was sind sie heute?Die entscheidende historische Zäsur markieren wohl die Verstärkeranlagen. Sie führten selbst in der kleinsten Dorfkirche, deren Pfarrer fortschrittlich sein wollte, zur Peinlichkeit, dass die Frohbotschaft plötzlich aus scheppernden Lautsprechern erklang. Früher wurde bei den Musikfesten unplugged gespielt, wie das heißt. Und selbstverständlich gab es auch nicht jene aus Funk und Fernsehen bekannten Musikgruppen, die inzwischen mit ihren Gerätschaften Dezibel und Preise in obszöne Höhen trieben. Früher wurden bei Musikfesten sogar Wertungsspiele abgehalten. Und selbst dann, wenn es nicht so streng zuging, präsentierte jede Kapelle ihr schönstes, schwerstes und künstlerisch hochwertigstes Stück. Wie man eben einen Sonntagsanzug anzieht, wenn man ein Fest besucht.

  • 21.09.2011
  • Musikgeschichten
  • Alois Schöpf
  • Ausgabe: 9/2010
  • Seite 33

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