Begrüßenswerte Alternative - Schülerklarinette von Wilfried Teutsch

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 1/2011
  • Seite 19-21

Man kennt das ja. Es zwickt und zwackt und wenn man sich eine Zeit lang mit irgendwelchen Zipperlein herumgeschlagen hat, entschließt man sich letztendlich, doch zum Arzt zu gehen. Und im Idealfall hilft der einem. Musiker kennen das ja auch. Man schraubt und dreht und ölt an seinem Instrument herum, aber wenn man sich eine Zeit lang mit den Zipperlein herumgeschlagen hat, kann man eben nicht zum Arzt gehen. Oder doch? Ja, man kann zum KlarinettenDoktor gehen.

Bisher hatte sich Wilfried Teutsch – so heißt der KlarinettenDoktor im richtigen Leben – auf die Reparatur von Klarinetten spezialisiert und zudem gemeinsam mit einem Dr. rer. nat. ein Klarinettenpflegeöl entwickelt und verkauft. Und man kann sich das ganz gut vorstellen: Da sitzt also jemand (beim KlarinettenDoktor sind übrigens elf Personen beschäftigt) in seiner Klarinettenwerkstatt und reinigt, ent- und bekorkt, ent- und bepolstert und schraubt und macht und tut. Da kommt so jemandem dann doch der Gedanke: Warum baue ich die Instrumente eigentlich nicht selber? Zugegeben, der Gedanke hat zunächst einmal etwas von Mary Shelleys »Frankenstein«. Auch hier wollte der Protagonist, von einem unstillbaren Wissensdurst getrieben, etwas Neues und Großes erschaffen, was über die Lehre der Ärzte Cornelius Agrippa und Paracelsus hinausging. Allerdings – soviel sei an dieser Stelle schon vorweggenommen – geht das bei Viktor Frankenstein gehörig schief, was man von der Schülerklarinette von Wilfried Teutsch wirklich nicht behaupten kann. Die Klarinette ist kein Monster – zumindest nicht im negativen Sinne –, sondern laut Tester Lars Zolling »eine begrüßenswerte Alternative« auf dem Schülerklarinettenmarkt.

Die Klarinette von Wilfried Teutsch wurde für Schüler entwickelt und der Hersteller legt »Wert auf hochwertige Materialien und eine Verarbeitung von Hand«. Dabei will Teutsch keine einzige der gebauten Klarinetten aus den Augen lassen und jede Klarinette persönlich dem Kunden übergeben. Die Klarinette verfügt über das deutsche Griffsystem und eine kindgerechte Mechanik (fehlende Tief-e-Mechanik). Die Klarinette hat 16 Klappen und sechs Ringe, dazu zwei Triller. Sie wird zudem mit zwei Birnen geliefert. Gefertigt wird das Instrument aus naturbelassenem Grenadillholz, die Mechanik ist Neusilber versilbert. Praktisch ist der verstellbare Daumenhalter.

Der handwerkliche Test

Holzblasinstrumentenmacher-Meister Christoph Knopp vom Musikhaus Arthur Knopp in Saarbrücken gestand zu Anfang, dass er den Hersteller aus dem baden-württembergischen Ispringen nicht kannte. Wilfried Teutsch hat sich 2005 selbstständig gemacht und führt seitdem die bereits erwähnte Klarinettenwerkstatt mit elf Angestellten. Das vorliegende Testinstrument hat, war Christoph Knopps erster Gedanke, ein Vorbild – und zwar die D12 von Schreiber. Und die neue Schülerklarinette ist nach Herstellerangaben auch als Alternativmodell zur Schülerklarinette »Schreiber D12« gedacht – zumal sie deren Ausstattung nahezu identisch entspricht. Grund genug, sich die Klarinette einmal genauer anzusehen. Und das erste Fazit ist ein positives: »Die ist nicht schlecht verarbeitet.«Positiv in Erscheinung tritt für den Tester vor allem die versilberte Neusilbermechanik. Diese nämlich sitzt stramm. Die Klappen wackeln nicht beziehungsweise nur minimal – »sehr ordentlich«. Auch die Zapfen und die Deckung der Mechanik ist gut, was »unserem gewohnten hochwertigen Standard« entspricht, wie Knopp anmerkt.Allein der H-Stengel alleine steht nicht hundertprozentig frei, er klemmt leicht zwischen den Säulchen beziehungsweise im Halter (in der Führung). Dem Tester fällt außerdem die sehr unterschiedliche Befederung auf. Auf Nachfrage beim Hersteller allerdings bestätigt Wilfried Teutsch dies, denn als studierter Klarinettist habe er »ein Gefühl für die Klarinette«. Und da die Klappen nun einmal von unterschiedlichen Fingern mit unterschiedlicher Kraft bedient würden, sei auch die Befederung unterschiedlich. Rein optisch gefällt Christoph Knopp die Klappenform nicht ganz, was aber sicherlich Geschmackssache ist.

Insgesamt ist Christoph Knopp erstaunt und überrascht, wie »ordentlich« dieses Instrument verarbeitet ist. Zwar mögen andere renommierte Hersteller derzeit noch die Nase vorn haben – was natürlich an den Verkaufszahlen der vergangenen Jahre liegt, und Teutsch noch neu im Geschäft ist – , doch »für Einsteiger dürfte es technisch gesehen anfänglich kaum nennenswerte Probleme geben«.

Der musikalische Test

Unser musikalischer Tester Lars Zolling, Solo-Bassklarinettist im Orchester des Bayerischen Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, hat die Klarinette sowohl mit dem mitgelieferten ESM-Mundstück (Bahn W5A) als auch auch mit seinem privaten Zelltec-Mundstück von Leitner & Kraus (Bahn BF) jeweils mit AW-145-Blättern (Stärke 2,5) und Legere-Kunststoffblättern (Stärke 2,75) getestet. Darüber hinaus ließ Zolling die Klarinette im Unterricht von zwei zehn- und elfjährigen Anfängerschülern spielen und fragte sie nach ihren Eindrücken.

Den spontanen Wohlfühlfaktor bewertet Lars Zolling positiv, vor allem wegen des »angenehmen Anblas- und Klangverhaltens«. Der haptische Eindruck der Mechanik schneidet nicht ganz so hervorragend ab, denn diese erscheint ihm zu klobig. Allerdings ist eine eng konzipierte Schülerklarinette nicht mit einer Profiklarinette vergleichbar. Die Ansprache erhält vom Tester hingegen die Bestnote. »Das Ansprechverhalten ist durch alle Register angenehm unwiderständig.« Verbesserungswürdig ist laut Zolling lediglich die Intonation. Denn auch wenn man die fehlende Tief-e-Mechanik einberechnet, sind das tiefe e und das tiefe f doch zu tief.

Bestnoten erhält die Schülerklarinette von Wilfried Teutsch im Klang. Die Note »sehr gut« gibt es für den Grundklang, denn der »ist ausgezeichnet«. Vor allem der Klang der »kurzen« Töne erhält ein Sonderlob. Den Klang bezeichnet der Profiklarinettist als »rund und tragfähig«. Schlechte Töne sind fast nicht vorhanden. Nur die tiefen Töne e und f fallen intonationsbedingt etwas »muffig« aus. Die klanglichen Abweichungen beim tiefen b könnten noch minimiert werden. Das tiefe a und das es1 klingen eigentümlich unfrei. »Ansonsten sind alle Töne bemerkenswert rauschfrei für ein Schülermodell.«Während die Mechanik aus handwerklicher Sicht gute Bewertungen erhält, ist der Instrumentalist ein wenig skeptisch. Die »hochstehenden« Klappen (b 4er-Griff, cis1, a1) sind etwas hoch ausgelegt und für kleine Kinderhände möglicherweise unbequem zu erreichen. Die Abstimmung der Wege zwischen cis1 und den Klappen für die »langen Töne« (e/fis und h2/cis2) ist zu groß. Die Registerkoordination erhält dann wieder die Bestnote »sehr gut«. Den Übergang zwischen den Registern kann man als für eine Schülerklarinette nahtlos bezeichnen.

Fazit

Die Schülerklarinette von »W. Teutsch« ist eine begrüßenswerte Alternative.

Der Tester

Lars Zolling wurde in Hamburg geboren. Mit 15 Jahren wurde er als Jungstudent an der Musikhochschule Lübeck aufgenommen, an welcher er später auch sein Vollstudium bei Prof. Reiner Wehle und Prof. Sabine Meyer absolvierte. Ein Aufbaustudium bei Prof. Johannes Peitz schloss schließlich seine Ausbildung an der Hochschule für Musik »Franz Liszt« in Weimar ab. Nach Engagements in verschiedenen namhaften Kulturorchestern ist er seit 2003 Solo-Bassklarinettist im Orchester des Bayerischen Staatstheaters am Gärtnerplatz in München. Er ist darüber hinaus zu Gast in beiden Klangkörpern des Bayerischen Rundfunks, im Deutschen Symphonieorchester Berlin und an der Hamburgischen Staatsoper und widmet sich intensiv verschiedensten pädagogischen Aufgaben.

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