BDMV-Präsident Paul Lehrieder im Gespräch

  • 01.04.2016
  • Szene
  • Martin Hommer
  • Ausgabe: 4/2016
  • Seite 48-50

Paul Lehrieder wurde Anfang März zum neuen BDMV-Präsidenten gewählt. Der Bundestagsabgeordnete aus der Nähe von Würzburg kennt sich in der Blasmusik bestens aus und ist als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auch bestens vernetzt und für die Blas- und Spielleutemusik genau an der richtigen Stelle. Kurz nach seiner Wahl stand er für ein erstes Interview zur Verfügung.

Herr Lehrieder, Sie sind der neue BDMV-Präsident. Wie kamen Sie zu diesem Amt. Haben Sie sich schon daran gewöhnt, dass man »Herr Präsident« zu Ihnen sagt?

(lacht) Auf die Formalie mit »Herr Präsident« kommt es gar nicht an. Wichtig ist, dass ich versuche, das, was ich in den vergangenen Jahren schon in den Nordbayerischen Musikbund eingebracht habe, auch in die Bundesvereinigung einzubringen versuche. Es ist ja nicht so, dass ich zu diesem neuen Amt kam wie die Jungfrau zum Kinde: Ich war acht Jahre lang Kreisvorsitzender in meinem Heimat-Kreisverband Würzburg und bin seit dem Jahr 2000 stellvertretender Bezirksvorsitzender in Unterfranken. Von daher bin ich schon mit den Problemen der Musikvereine vertraut.

Von unserem kürzlich verstorbenen Präsidenten Adolf Eichenseer (Präsident des Nordbayerischen Musikbundes von 1984 bis 2003, Anm. der Redaktion) habe ich damals das Mandat bekommen, für die Belange der Blaskapellen gegen die Künstlersozialkasse vor Gericht einzutreten – ich habe für die Blaskapellen bis zum Bundessozialgericht gegen die KSK geklagt. Die Probleme der Blasmusik und der Musikvereine sind mir also nicht ganz neu.

Nach all den Ämtern, die Sie schon bekleidet haben und zum Teil immer noch bekleiden – was hat Sie letztlich dazu bewogen, für die Präsidentschaft in der BDMV zu kandidieren?

Peter Winter, der Präsident des Bayerischen Blasmusikverbandes, hat mich vorgeschlagen und argumentiert, dass die BDMV wieder jemand bräuchte, der einen engen Kontakt zur Bundespolitik hat. Die Deutsche Bläserjugend hat ihren Sitz ja bereits in Berlin, und es gibt noch mehr Stichworte: Bundesjugendblasorchester oder auch das Deutsche Musikfest. Angesichts dieser Aufgaben und Ideen ist es sicher sachdienlich, auch nach der Ära meines Amtsvorgängers Siegfried Kauder wieder jemanden zu haben, der für den Verband den Kontakt zur Politik herstellen und halten kann. Diesem Ruf bin ich sehr gern gefolgt.

Kannten Sie die BDMV schon, bevor Peter Winter Sie als Präsident vorgeschlagen hat?

Ja natürlich. Wir hatten ja vor einiger Zeit auch bereits die Diskussion um die Frage der Ausgleichsvereinbarung mit der KSK. Da hatte ich schon einige Gespräche mit Herrn Horber vom Bayerischen Blasmusikverband, aber auch mit Herrn Eßig, der damals bei der BDMV war. Ich kannte die BDMV allerdings schon länger: Als junger Musiker oder auch als Kreisvorsitzender kannte ich die BDMV über das Ehrungswesen, denn wenn ein altgedienter Musiker eine besondere Auszeichnung bekommt, bekommt er immer eine Urkunde und ein Abzeichen von der BDMV. Letztlich kenne ich die BDMV aber auch über die Interessenvertretung für ihre Mitgliedsverbände.

Nun sind Sie als Präsident mehr als mitten drin in der BDMV – wie war Ihr erster Eindruck? Gibt es schon erste konkrete Ziele für Ihre Amtszeit?

Das erste Ziel ist jetzt, möglichst schnell eine erste gemeinsame Präsidiumssitzung hinzubekommen, die wir in der Geschäftsstelle in Stuttgart durchführen wollen. Wir haben auch schon einige Schwerpunkte festgelegt, über die wir sprechen wollen: Gibt es die Möglichkeit, auf Bundesebene ein Jugendblasorchester zu installieren? Wie können wir die Blas- und Spielleutemusik auf Bundesebene stärker berücksichtigen? Da haben wir schon bald ein erstes Gespräch. In ein paar Jahren wird das Deutsche Musikfest in Osnabrück stattfinden. Das haben wir bei unserem Kongress in Kassel festgelegt und dieses Thema wird natürlich eine zentrale Rolle spielen.

Und dann ist da natürlich die Bläserjugend: Wie können wir die Deutsche Bläserjugend besser unterstützen? Das Thema Jugend ist schließlich eines, das mich als Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Familien, Senioren, Frauen und Jugend besonders umtreibt. Wir geben hier viel Geld für problembehaftete Jugendliche aus, was auch sehr wichtig ist. Aber wo können wir diejenigen Jugendlichen, die bereits auf einem guten Weg sind – und das ist in unseren Vereinen ja der Fall! –, besser unterstützen und dafür sorgen, dass sie die Wertschätzung des Bundes erfahren?

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