B-Klarinette »621« von F. Arthur Uebel - Preis-Leistung-Verhältnis top

Im Jahre 1936 gründete Friedrich Arthur Uebel in Markneukirchen seine eigene Klarinettenwerkstatt, nachdem er in Berlin bei Oskar Oehler das Handwerk erlernt hatte. Auf dem Fundament dieser Tradition baut die Firma F. Arthur Uebel auch heute noch Klarinetten – mit modernster Technik. Der Redaktion lag zum Test eine B-Klarinette »621« vor, die im Test recht gut abschnitt und vor allem im Amateurbereich im Blasmusikverein sicherlich zum Einsatz kommen dürfte.

Erster Blickfang ist nach dem Öffnen des Kartons der sogenannte »DeLuxe«-Koffer. Denn tatsächlich mutet dieser wie eine Luxusausgabe herkömmlicher Klarinettenkoffer an. Schlicht im Design und vor allem haltbar im Material. Lederbesetzte Ränder geben dem Nylonkoffer ein edles Äußeres. Eine kleine Deutschlandflagge lässt das Land der Herstellung vermuten. Das Wichtigste aber ist, dass bei allen Augenschmeicheleien das Instrument sicher von A nach B transportiert werden kann. Das ist in jedem Fall gewährleistet. Ösen an der Außenseite des Koffers ermöglichen es, den mitgelieferten Tragegurt zu befestigen. Der »DeLuxe«-Koffer ist abschließbar. Im Innern ist ausreichend Platz für Putzutensilien. Für den Notenständer und die Noten allerdings ist eine weitere Tasche notwendig.Die Klarinette besteht aus handpoliertem, naturbelassenem Grenadill-Holz. Die Entwicklungsabteilung von F. A. Uebel hat hier noch einmal nachgelegt und eine akustisch optimierte Becherform entworfen. Die Klappen, Ringe sowie die komplette Mechanik der Klarinette werden aus Neusilber versilbert gefertigt. Beim vorliegenden Instrument ist die Mechanik »extra stark versilbert«, was eine langlebige, robuste Nutzung gewährleisten soll. Verarbeitet werden in der Mechanik außerdem Monelröhrchen mit Nirosta-Walzenschrauben sowie spezielle F.-A.-Uebel-Polster.

Der LieferumfangIm Lieferumfang enthalten sind zudem zwei Birnen (440 und 442 Hz), ein ESM- Mundstück SP4, eine Rovner-1R-Blattschraube sowie ein Vandoren-Blatt »White Master« in der Stärke 2,5. Als weiteres nicht unwichtiges Zubehör liefert F. A. Uebel Putzutensilien wie ein Silberpflegetuch, einen Lederdurchziehwischer sowie Korkfett.Schönes positives Detail ist, dass der Daumenhalter verstellbar ist. Als Zugabe gibt es noch den Daumenschoner aus Kunststoff für den Klarinettendaumenhalter. Das soll ermüdungsfreie Daumenhaltung und weniger unangenehme Druckstellen ermöglichen, woraus entspanntes Musizieren resultiert. Dazu muss der Daumenschoner einfach über den Daumenhalter der Klarinette geschoben werden. Der verstellbare Daumenhalter hat zudem einen Ring für den eventuellen Tragegurt.

Die B-Klarinette »621« verfügt über 21 Klappen und sechs Ringe, hinzu kommen vier Triller am Oberstück. Ausgestattet ist sie zudem mit einer Gabel-F/B-Mechanik, einem H-Cis-Triller und einem F-Heber.

Der handwerkliche Test

Der handwerkliche Test – durchgeführt vom Holzblasinstrumentenmacher-Meister Christoph Knopp vom Musikhaus Arthur Knopp in Saarbrücken – fällt überwiegend positiv aus. Den optischen Gesamteindruck bewertet Christoph Knopp mit »gut«, die Mechanik ist »stark versilbert«, die Federn sind sehr gleichmäßig in ihrer Druckkraft. Die Achsenschrauben bestehen aus rostfreiem Stahl. Außerdem sind die Zapfen »ordentlich und die Korken sauber verarbeitet«. Als »sehr positiv« wertet der Tester, dass es keinerlei Wackeln in der Mechanik gibt. Hier konstatiert der Experte den Herstellern eine Verbesserung der Instrumente, denn »aus meiner Erfahrung weiß ich, dass es des öfteren zu Klemmen und Hängen der Mechanik kam«.

Die Polster decken »in Ordnung«, auch wenn es »Verbesserungsmöglichkeiten in der Dichtheit« gibt. Der Grund dafür ist laut Knopp, dass einige Polster optisch unschön sind und nicht hundertprozentig korrekt sitzen. Leicht unschön sitzt das Polster der F-Klappe am Unterstück, das der C-Klappe am Unterstück ist sehr offenporig. Negativ ist zudem, dass die Rolle in der Cis-Klappe eine zu dünne Schraube hat bzw. die Rolle zu groß aufgebohrt wurde. Das macht sich deutlich bemerkbar und ist so nicht in Ordnung.

Der musikalische Test

Zwar kann der erste Eindruck von einem Instrument täuschen, denn die Eigenheiten stellen sich erst nach einer gewissen Kennenlernphase heraus. Das ist vor allem bei Holzblasinstrumenten zu beachten, weil bei den Musikwerkzeugen aus organischem Material eine längere und sachverständig durchgeführte Einspielzeit nötig ist. Dennoch kann bereits nach sehr kurzer Zeit eine Einschätzung über ein Instrument abgegeben werden, denn eine unbrauchbare Klarinette wird auch durch fachmännisches Einspielen kein Solistenmodell. Die vorliegende F. A. Uebel »621« erhält von der Testerin Martina Beck beim »spontanen Wohlfühlfaktor« ein »gut«.

Sie kommt also recht schnell damit klar. Das liegt einerseits an der Ansprache, die über alle Lagen gut bis befriedigend bleibt. Auch liegt das an der ergonomisch geformten und angeordneten Mechanik (mit gebläuten Stahlfedern). Dies gibt dem Instrument eine sehr angenehme Haptik, für Spieler mit breiten Fingern ebenso wie für schlanke und zierliche Hände. Dazu ist die Anordnung der Mechanik sehr spielerfreundlich. Allerdings, merkt Martina Beck an, dürfte die Klarinette für junge bzw. kleine Anfänger (im Alter von acht bis zehn Jahren) mit dementsprechend kleinen Fingern nicht empfehlenswert sein. Denn dafür ist »die Mechanik zu klobig, zu grob«. Für die kleinen Schüler dürften teilweise die Löcher zu groß oder der Höhenunterschied von zwei nebeneinander liegenden Klappen zu hoch sein. Hier wäre zu überlegen – um Probleme der entweichenden Nebenluft durch zu kleine Finger zu vermeiden –, zu einer C-Klarinette zu greifen. Aber das ist ein anderes Thema.

Als angenehm empfindet Martina Beck den Blaswiderstand, der sich bei dieser Klarinette »in runden Klang umsetzt«. Außerdem ist die vorgegebene Luftführung bzw. die -richtung »sehr angenehm«. Obwohl »kurze Töne« bei diesem Instrument – wie bei den meisten Klarinetten – in Klang und Intonation nicht ganz optimal sind, ist der Klang doch ganz nach dem Geschmack der Testerin: schön und weich – deutsch eben. Insgesamt ist der Klang »ziemlich ausgewogen durch alle Register«. »Kranke« Töne sind zudem kaum vorhanden, lediglich im b’ hat die »621« von F. Arthur Uebel leichte Schwächen.

Aufgrund der klanglichen Eigenschaften und der Haptik stuft die Testerin das Instrument in die Schüler- bis Mittelklasse ein. Für absolute – vor allem kleine – Anfänger kommt das Instrument allerdings eher nicht infrage. Die Klarinette ist durchaus für den Einsatz im Blasorchester geeignet. Aufgrund ihrer Ausstattung ist sie ein ausgesprochen schülerfreundliches Instrument. Mit ihren Klangeigenschaften dürfte die Klarinette einen leicht fortgeschrittenen Schüler lange begleiten – zumal die Garantiezeit drei Jahre beträgt. Und nicht zuletzt weist die Klarinette bei einem Preis von 1195 Euro (UVP) ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis auf.

Die Testerin

Martina Beck studierte Schulmusik sowie Klarinette (bei Hermann Haege) an der Universität bzw. Musikhochschule Freiburg im Breisgau. Für den Studiengang Orchestermusik wechselte sie im Jahr 2001 nach ihren Examina an die Stuttgarter Musikhochschule zu Prof. Norbert Kaiser. Meisterkurse bei Sabine Meyer, Ralph Manno und Thomas Friedli sowie ein Gastsemester bei Prof. H. D. Klaus in Detmold vervollständigten ihre Ausbildung. Es folgten Substitutenstellen bei der Neuen Philharmonie Westfalen (Recklinghausen/Gelsenkirchen) und beim Gürzenich-Orchester (Köln). Von 2004 bis 2008 war sie als Klarinettistin und Bassklarinettistin im Frankfurter Museumsorchester tätig, seit November 2008 ist sie Bassklarinettistin an der Bayerischen Staatsoper in München. Zudem unterrichtet sie als Dozentin für Bassklarinette an der Musikhochschule Detmold. Kurse, Kammermusikkonzerte, Konzertreisen in die ganze Welt, solistische Auftritte sowie Aushilfen in vielen deutschen Kulturorchestern komplettieren ihre Tätigkeit.

  • 21.09.2011
  • clarino.test
  • Klaus Härtel
  • Ausgabe: 9/2010
  • Seite 30-32

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