Avishai Cohen: Vom Leben und vom Tod

Als Bandleader war Avishai Cohen zuletzt mit Triveni zu hören, einem Trio, das zwischen 2010 und 2014 drei Alben veröffentlicht hat: nur Trompete, Bass, Schlagzeug – ganz ohne Harmonie-Instrument. Auf seinem ECM-Debüt »Into The Silence« präsentiert der vollbärtige Trompeter nun aber eine neue Band: ein Quartett mit Piano und streckenweise erweitert um einen zweiten Bläser. Cohens Musik ist ein musikalischer Nachruf auf seinen Vater – sechs nachdenkliche Stücke über Leben und Tod. Die Presse feiert den 38-jährigen Avishai Cohen gerade als den »neuen Miles Davis«.

Der Familienname Cohen (= Priester) ist in Israel fast so häufig wie bei uns Müller oder Schmidt. Vor 20 Jahren schon machte ein israelischer Jazzmusiker namens Avishai Cohen auf sich aufmerksam, der in der damals aktuellen Band von Chick Corea einen virtuosen Kontrabass spielte. Später verblüffte dieser Avishai Cohen damit, dass er sich auch an E-Bass, Piano, Synthesizer oder Percussion betätigte und sogar zu singen anfing – ein Allround-Talent.

Avishai Cohen: The Trumpet Player

Als der Name Avishai Cohen erstmals im Zusammenhang mit einer Trompete auftauchte, dachten viele: Jetzt also auch noch Trompete! Aber: Der Trompeter Avishai Cohen ist ein ganz anderer. Um Verwechslungen vorzubeugen, gab er seinem Debütalbum 2003 deshalb den Titel »The Trumpet Player«.

Wie der Bassist gleichen Namens stammt der Trompeter Avishai Cohen aus Israel, ist aber acht Jahre jünger. Schon als Teenager trat er mit dem Israeli Philharmonic Orchestra auf, studierte dann am Berklee College in Boston und belegte 1997 bei der Thelonious Monk Competition den dritten Platz. Seine Schwester ist die Klarinettistin Anat Cohen, sein Bruder der Saxofonist Yuval Cohen. Wenn es ihr Zeitplan erlaubt, arbeiten die drei blasbegabten Geschwister zusammen als die »3 Cohens«. Avishai Cohen war mehrfach auch auf Alben der Sängerin Keren Ann zu hören und spielte mehrere Jahre lang im SF Jazz Collective und beim Bassisten Omer Avital.

Es heißt, ECMs Produzent Manfred Eicher hätte Sie als Bandleader verpflichtet, nachdem er Ihr Spiel auf Mark Turners Album »Lathe Of Heaven« gehört hat. Kannte er Sie vorher nicht?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie vertraut Manfred vorher mit meinem Spiel war. Aber Marks Album hat ihm wohl deutlich gemacht, worum es mir musikalisch geht. Manfred war bei der Aufnahme von Marks Album selbst nicht dabei, was untypisch für ihn ist. Er war damals krank, also hörte er mich erst hinterher.

  • 02.05.2016
  • Szene
  • Hans-Jürgen Schaal
  • Ausgabe: 5/2016
  • Seite 52-53

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